Kultur : Tarkovskij

Tarkowskij

Kerstin Decker

Eine klirrende Tasse auf dem Tisch, eine Schlafende im Bett, draußen ein Zug. Immer wenn der Zug vorbeifährt, klirrt die Tasse. Und so bleibt das. Autorenfilm, ganz klar. Aber wem sonst hätte man solche Tassen verziehen? Mit „Stalker“ (1978/79) ist Andrej Tarkowskij endgültig zum west- östlichen Kultfilmer geworden. Der Schauplatz, ein verkommenes Niemandsland, faszinierte hier wie dort gleichermaßen. Es hieß „die Zone“. Nur keiner wusste, was das ist. Die Zone ist die Zone, erläuterte Tarkowskij. Manche erkannten in ihr die Natur nach dem Eingriff des Menschen, andererseits war „die Zone“ natürlich in uns selbst. Ein Thema für einen Mystiker. Und so filmte Tarkowskij.

„Solaris“ (1972) war Tarkowskijs Antwort auf Kubricks „2001. Odyssee im Weltraum“, den er unmöglich fand. Wie kann jemand sich so für das Außen interessieren? Dabei ist der Weltraum doch nichts als ein etwas größerer Innenraum. Tarkowskij konnte mit dem westlichen Individualismus nicht viel anfangen. Italien, wo er seine letzten Jahre verbrachte, machte ihn traurig. Er musste lange suchen, bevor er dort einen Drehort fand, der ihm deprimierend genug schien für seinen Film „Nostalghia“ (1982/83). Bagno Vignogni als „Zone“ mit anderen Mitteln. Tarkowskij widerlegte den Glauben mancher Russen, die Ý russische Seele sei eine Erfindung der Nichtrussen. Andererseits war er wohl ein Glaubender im Sinne Nietzsches: Ich bin Mystiker. Ich glaube an gar nichts.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben