Kultur : Tarzan in China

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SCHREIBWAREN

Steffen Richter über

literarisches Partyhopping

Nun sind die großen Berliner Literaturhäuser wieder komplett. Nach einer langen Odyssee kann sich die Literaturwerkstatt endlich häuslich in der Kulturbrauerei einrichten. Dass gebührend gefeiert wird, versteht sich. Am 4.3. lädt die Belegschaft zur House Warming Party (Knaackstraße 97, 20 Uhr). Früher hätte man das schlicht Einweihungsfeier genannt. Aber etwas fetziger darf es schon klingen, wenn das Thema Berlin und Großstadt lautet. Wir sind gespannt, was der Dialektiker Volker Braun dazu zu sagen hat oder die reisige Felicitas Hoppe. Als Dichter der Berliner Urbanität sind beide bislang kaum hervorgetreten. Thematisch einschlägig scheinen da eher Adolf Endler, der „Tarzan vom Prenzlauer Berg“ oder Katja Lange-Müller. Mit dabei sind außerdem Sibylle Lewitscharoff, Zoran Drvenkar, Thomas Lehr, Kathrin Röggla und Friedrich Kröhnke.

Feierlich geht es weiter. Heute möchte der Bachmann-Preisträger Feridun Zaimoglu das Publikum von seiner Wandlung überzeugen: weg vom Image des literarischen Asphalt-Cowboys, der nur „Kanak Sprak“ spricht. Tatsächlich gab es in seinen letzten Büchern neben grellen Provokationen auch eine sehr subtile Erfahrung von Leid und Verlust. Nun stellt er im LCB (20 Uhr) seinen neuen Band „Zwölf Gramm Glück“ (KiWi) mit Liebesgeschichten vor.

Auch das Wochenende hat es literarisch in sich. Am 6.3. feiert Gerhard Henschel die Premiere seines „Kindheitsromans“ (Hoffmann und Campe) im Roten Salon (21 Uhr). Mit „Die Liebenden“ hatte Henschel vor zwei Jahren eine Familiengeschichte als großes Alltagsepos der Bundesrepublik erzählt. Nun vertieft er die Kindheit am „Deutschen Eck“ zwischen Rhein und Mosel, Loreley und Borussia Mönchengladbach. Auch F.W. Bernstein, Wiglaf Droste, TOM und viele andere sind mit von der Partie.

Zum Schluss liest mit Zhai Yongming am 7.3. eine der wenigen in Europa publizierten chinesischen Autorinnen in der Prüss & Ochs Gallery (Sophienstraße 18, 18 Uhr). Gemeinsam mit dem Lyriker Joachim Sartorius präsentiert sie ihren Gedichtband „Kaffeehauslieder“ (Weidle). Er reflektiert die Erfahrungen der Chinesin in New York. Vor ihrem USA-Aufenthalt war Zhai Yongming Nachrichtentechnikerin und hatte einen Landwirtschaftseinsatz für den Sozialismus geleistet. Ihre Jugend fiel mit den Schrecken der Kulturrevolution zusammen. Zu feiern gab es da wahrscheinlich nicht viel.

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