Tatjana Doll in der Berlinischen Galerie : Der Tristesse trotzen

Ikonen der Popkultur und Kunstgeschichte verfremdet und weitergedacht: Tatjana Doll, Hannah-Höch-Förderpreisträgerin 2017, präsentiert ihren Mikrokosmus der Kunst.

Stefanie Sippel
Das Gemälde "RIP_Self Transforming Machine Elves II", entstanden von 2013 bis 2015.
Das Gemälde "RIP_Self Transforming Machine Elves II", entstanden von 2013 bis 2015.Foto: © VG BILD-KUNST Bonn, 2016/Bernd Borchardt

Dr. Bruce Banner II prangt an der Leinwand, eine Gestalt in giftigem Grün, schrillem Rosa und eisigem Blau. Der Mund ist weit aufgerissen, die Figur ballt die Faust, sie sieht zornig aus. Das ist sie wohl auch. Denn im Marvel-Comic „Hulk“ verwandelt sich Dr. Bruce Banner in den Koloss Hulk, wenn er wütend ist. Vielleicht ist es der Moment nach der Verwandlung, den die Künstlerin Tatjana Doll eingefangen hat. Sie lässt die Farben ineinanderfließen, die Figur wirkt dynamisch. Doll, 1970 in Burgsteinfurt geboren, konfrontiert den Betrachter mit dem Phänomen der Massenkultur. Anreiz geben Fotos von Rennwagen, Piktogramme, Werke der Kunstgeschichte oder eben Comicfiguren. Für ihre Arbeiten erhielt sie den Hannah-Höch-Förderpreis 2017, der zusammen mit dem Hannah-Höch-Preis alle zwei Jahre vom Land Berlin auf dem Gebiet der bildenden Kunst verliehen wird. Zu sehen sind einige ihrer Arbeiten in der Ausstellung „Neuer Weltatlas“ in der Berlinischen Galerie.

Ihre großformatigen Bilder malt Tatjana Doll auf dem Boden. Sie lässt die Lackfarbe unkontrolliert fließen, durch Pfützen und Blasen entsteht ein Mikrokosmos. Ihre Kunst wirkt durch das autonome Material Lack intuitiv. Darth Vader aus der Serie Dummy glänzt schwarz an der Wand, drei Meter hoch. Inspirieren lässt Doll sich aber auch von Werken der Kunstgeschichte, etwa Casper David Friedrichs „Die gescheiterte Hoffnung“. Das Original zeigt die triste Arktis, sich auftürmende Eisschollen und ein gekentertes Schiff. Doll entwickelt das Motiv weiter in die Gegenwart. Ihr Werk „Self Transforming Machine Elves II“ trotzt der Tristesse mit bunten Farben. Die „Transforming Machine“, eine sich selbst verwandelnde Maschine, wirkt lebendig.

Dolls Bilder provozieren. Sie wollen nicht L'art pour l'art sein, sondern greifen aus ins Gesellschaftliche und Politische. So erscheint zur Ausstellung die Publikation „Neuer Weltatlas“, ein Collagenwerk. Doll setzt ihre Werke in Bezug zur Welt. Der Blick soll jedoch nicht wissenschaftlich sein, sondern sich auf die Kunst erweitern.

Berlinische Galerie, Alte Jakobstraße 124-128, bis 24. April; Mi-Mo 10-18 Uhr.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben