Kultur : Tatort Tokio

Panorama (2): Zeugen, Tote, Hochhäuser in „Riyuu“

Frank Noack

Ein gewöhnlicher Krimi sollte nicht zu lang sein. Nun, „Riyuu“ („Das Motiv“) ist ein gewöhnlicher Krimi – und dauert 160 Minuten. Regisseur Nobuhiko Obayashi überrumpelt sein Publikum, lässt es Anteilnehmen am Schicksal von vielen, ja, sehr vielen Zeugen und Verdächtigen. Als Tatort hat er sich ein Hochhaus in Tokio ausgesucht. Vier Menschen sind in einer stürmischen Nacht eines gewaltsamen Todes gestorben. Drei Opfer liegen in einer Wohnung, ein weiteres ist vom Balkon gestürzt. Der Fall ist kompliziert, niemand weiß so recht, wer sein Nachbar ist. Obayashis Vorbild ist offensichtlich Oliver Stones „JFK“. Man spürt einen unsichtbaren Gegner. Paranoia macht sich breit. Im Stil einer Pseudo-Doku gedreht, fasziniert dieses Film-Puzzle durch kühne Stimmungswechsel. „Riyuu“ ist Politthriller, Mediensatire und Splatterkino.

Heute, 21.30 Uhr (Zoo Palast 1); morgen 10 Uhr (Cinemaxx 7)

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