Kultur : Tausendmal Ich

CORDULA DÄUPER

Impressionen des Alltags: Straßen mit parkenden Pkws, Felder, Wiesen, darüber ziehende Wolken, Straßenschilder und die Stilleben unaufgeräumter Zimmer und Bäder.Bilder aus dem Leben eines Menschen.Die Ausstellung "ca.tausend" der Künstlerin Andrea Pichl zeigt eine Sammlung von Privat- und Kunstfotos, die einen Bezug zur Künstlerin haben, entweder weil sie für sie vor oder hinter der Kamera stand.Denn die Künstlerin stellt die Frage, wie die Bilder ihres Umfeldes auf ihre Identität eingewirkt haben."Welche Rolle spielen äußere Lebensbedingungen, inwieweit lassen sich die geschaffenen Bilder als vom Milieu abhängig betrachten?" Dieser willkürlich angeordnete Bildersturm aus drei Lebensjahrzehnten ist ein Brainstorming durch die eigene Geschichte.Bei Andrea Pichl keine selbstverliebte Präsentation der eigenen Biographie, vielmehr die Suche nach "einer durchgängigen Zeichensprache" und der Schnittmenge der einzelnen Bilder.

Die Ausstellung wirkt anonym.Es könnte sich um irgendeine beliebige Lebensgeschichte handeln.Die Künstlerin selbst ist nur auf Kinderfotos oder Zeichnungen verewigt.Statt dessen Treppenaufgänge, Orte, die eigentlich keine Orte sind.Man bewegt sich von einer Etage zur nächsten, ohne den Charakter dieser verschlungenen Räume je wahrzunehmen.Pichl hat diese Leere offenbar angezogen.Auf zahlreichen Fotos sind die Treppenhäuser der von ihr tatsächlich bewohnten Häuser zu sehen.Aber sie ging noch weiter, denn für die momentan in London lebende Künstlerin sind Treppenaufgänge auch zum Objekt ihrer Kunst geworden.So hat sie die Rechtwinkligkeit zweier Treppenabsätze durch geometrische Farbfiguren an den Wänden entfremdet.Aus einer bestimmten Perspektive scheinen die bunten Flächen die Ordnung des Raumes aufzuheben.Die Resultate solcher Installationen hat sie - wie gewohnt - fotografiert, so daß sich der Bogen wieder schließt.

Fotografie wird auf ihren Dokumentationswert reduziert und vermeidet jeden künstlerischen Anspruch.Als Highlight der Ausstellung führt eine Videoinstallation die einzelnen Fotografien zu einem Gesamtkunstwerk zusammen: Die einzelnen Schnipsel werden hintereinander in einer Endlosschleife auf Leinwand projiziert.Es entsteht ein Bilderfluß, der einem verwackelten Zeichentrickfilm gleicht: Ein Flur, noch ein Flur, die Wohnungstür, dieselbe Tür größer, geöffnet, erneut ein Flur und Innenansichten zahlreicher Zimmer, eine Person im Zimmer, zwei Personen, eine Personenskizze.Die Dramaturgie ist so simpel wie überzeugend und läßt aus den zunächst zusammenhanglosen Ansichten ein Ganzes entstehen.Die Ausgangslosigkeit der Collage ist ein Hinweis, welche Mühen die Suche nach dem eigenen Ich begleiten - pochende Herzschlagtöne der Soundeffekte von Heinz Havemeister treiben hartnäckig und zwingend die Bilder ins Endlose.

Galerie im Parkhaus, Puschkinallee 5, bis 10.April, mittwochs bis sonnabends 15 bis 19 Uhr

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