Kultur : Taut-Preis für Architektur ist in Gefahr

Erfolg schützt vor dem Absturz nicht. Zum siebenten Mal wurde gestern der vom Staatsminister für Kultur und Medien und der Bundesarchitektenkammer ausgelobte Taut-Preis im Bundeskanzleramt an in Deutschland ausgebildete Nachwuchsarchitekten verliehen. Ein Abschied: Kulturstaatsminister Bernd Neumann hatte bereits zuvor erklärt, den Taut-Preis im nächsten Jahr nicht mehr zu finanzieren – trotz deutlich erhöhten Kulturetats. Zur Preisverleihung war er erst gar nicht erschienen, sondern ließ durch seinen Abteilungsleiter Hermann Schäfer verlauten, man bemühe sich um eine Finanzierungszusage des Bundesbauministers.

Ins Leben gerufen wurde der mit einjährigen Auslandsstipendien für alle Preisträger dotierte Förderpreis unter Neumanns Vorvorgänger Julian Nida-Rümelin: als Signal der Zusammengehörigkeit von Kulturpolitik und Baukultur. Wenn nun der vorrangig an Film- und Medienförderung interessierte Nachfolger ohne Not eine Summe im unteren sechsstelligen Bereich einspart, ist die Botschaft ebenso klar: Desinteresse und mausgraues Ressortdenken.

Wie international ausgerichtet die Absolventen hiesiger Architekturfakultäten sind, demonstrierten die Preisträger Sebastian Brunke (TU Braunschweig), Clara Gerhardt (RWTH Aachen), Oke Hauser und Jenny Weiss (TU Stuttgart) sowie Janna Lipsky und Nikolaus Türk (Hafen-City Universität Hamburg) – mit Diplom-Projekten in Budapest, Den Haag, Istanbul und Venedig. Bessere Kulturbotschafter gibt es nicht. zaj

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