Kultur : Tauziehen um Rembrandt

THOMAS ROSER

Um eines der letzten Porträts des niederländischen Malers Rembrandt van Rijn wogt derzeit ein heftiges Tauziehen zwischen London und Den Haag.Zwei Jahre vor seinem Tod hatte Rembrandt 1667 das "Porträt eines alten Mannes" beendet, das einen etwas fülligen Amsterdamer Regenten zeigt.Das von Experten als einer der herausragensten Spätwerke Rembrandts gewürdigte Bild befindet sich seit dem 18.Jahrhundert im Besitz der britischen Adelsfamilie Cowdray.Das Mauritshuis in Den Haag würde das Werk gerne erwerben, die britische Regierung möchte dessen Verkauf ins Ausland aber unbedingt verhindern.

Eigentlich hatte sich das Mauritshuis mit Lord Cowdray bereits über den Erwerb des Porträts geeinigt: Das Museum ist bereit, für das Bildnis 31 Millionen Gulden (27,6 Millionen Mark) zu berappen.Doch der Rückkehr des Rembrandt-Werks in sein Heimatland hat das britische Kulturministerium einen Riegel vorgeschoben, die Export-Genehmigung für das Bild vorläufig verweigert: London möchte den heimischen Museen einen Zeitaufschub verschaffen, um selbst das Rembrandt-Werk ergattern zu können.

Bis zum 22.Juni haben die britischen Museen nun noch Zeit, das nötige Kleingeld für das 78 mal 66 Zentimeter große Bildnis aufzutreiben.Vor allem die National Gallery in London oder die National Gallery in Edinburgh wären nach Ansicht britischer Kunstliebhaber als neue Heimstatt für das Rembrandt-Werk ideal.Beide Museen haben indes bereits bedauernd erklären lassen, daß der Preis der Malerei ihre Mittel übersteige.Gegenüber der niederländischen Tageszeitung "De Volkskrant" meinte ein Sprecher des britischen Nationalen Kunst-Fonds NACF, er habe den Eindruck, daß die heimischen Museen sich mit dem Verkauf des Werkes ins Ausland bereits abgefunden hätten: "Sie wollen sich offenbar nicht in ein aussichtsloses Rennen stürzen."

Sollte das Mauritshuis das begehrte Rembrandt-Porträt tatsächlich seiner eigenen Sammlung einverleiben können, wäre es eines der teuersten Bilder, das in den Niederlanden jemals erworben wurde.Sein Preis wird lediglich von Piet Mondriaans umstrittenem "Victory Boogie Woogie" übertroffen, für das das Den Haager Gemeentemuseum mit Hilfe einer Schenkung der Niederländischen Zentralbank im vergangenen Jahr 80 Millionen Gulden locker machte.Die sehenswerten Selbstporträts von Rembrandt können in diesem Jahr übrigens sowohl in der Londoner National Gallery als auch im Mauritshuis bewundert werden: Eine Ausstellung mit 27 Selbstbildnissen des Meisters ist im Juni erst in London und ab September in Den Haag zu sehen - ein durchaus einvernehmliches britisch-holländisches Ko-Unternehmen.

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