Teddy-Gala : Artig und angezogen

Die heißeste Berlinale-Party war's nicht, aber immerhin die ausgefallenste: Denn wo außer als beim Teddy-Award tragen Kerle High Heels und Fummel und Frauen Igelhaarschnitt und Halbschuhe?

G,a Bartels
Teddy
Bärig. Den Teddy erhielten Schauspieler John Hurt (l.) und Regisseur Julian Hernández. -Foto: Davids/Darmer

Skandal! Dieter Kosslick hat sich geoutet – am Freitagabend im Haus der Kulturen der Welt bei der Verleihung des Teddy- Awards. Vor einem Riesenhaufen aufgekratzter Schwuler und Lesben, angeführt von Klaus Wowereit und seinem Freund Jörn Kubicki, lobte er den queeren Filmpreis der Berlinale und bekannte dann bockig: „Aber es gibt auch militante Heterosexuelle – und dazu gehöre ich.“ Und man könne ja auch mal zusammen feiern, ermahnte der von der Premiere des Hilde-Knef-Films rübergehechelte Festivalchef die Community.

Dass der Teddy-Award die heißeste Party der Berlinale ist, bestätigte sich an diesem artigen Abend nicht. Aber die Gala ist die einzige, auf der Kerle High Heels und Fummel tragen, und die Frauen Halbschuhe und Igelfrisur. Von der einzigen Herren-WC-Schlange der Stadt ganz zu schweigen. Turmhoher Hingucker des Abends ist die singende Hauptstadttranse Gloria Viagra. Die meisten Sympathien erntet John Hurt, der sich für den Teddy als bester Schauspieler hinreißend verlegen bedankt. Und die kämpferischste Einlage liefert Michel Sidibé, Direktor von UN-Aids. Wie überhaupt die Themen Aids prävention oder Kampf gegen Homophobie bei der Show allgegenwärtig sind.

Moderatorin Annette Gerlach wurde von den Preisverleihungspaten Nina Hagen, Barrie Kosky, zukünftiger Intendant der Komischen Oper, und Regisseurin und Model Rie Rasmussen unterstützt. Der Teddy für den besten Spielfilm ging an das mexikanische Drama „Raging Sun, raging Sky“. Und den Ehrenteddy, den im vorigen Jahr die – auch diesmal anwesende – Tilda Swinton bekam, verlieh Panorama-Chef und Teddy-Erfinder Wieland Speck an Joe Dallesandro. Der Warhol-Gefährte war im Kino und der Popkultur der 70er das männliche Sexobjekt schlechthin. Inzwischen ist er 60, dekorativ verwittert und „ausnahmsweise angezogen“, wie Gerlach gackerte. Tolle Show-Acts boten Katharina Franck und Dragqueen Joey Arias aus New York. Deren Glamour war nicht zu toppen. Arme Fotografen! Für sie blieben als Sensation nur die drei knackigen Kellner mit dem Bier-Logo auf der blanken Brust. gba

TV-Tipp: Arte, heute 23.30 Uhr

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