Teenager-FIlme : Das Leben ist kein Ponyhof

Erwachsen werden ist nicht leicht, Teenager sein schon gar nicht. Die Filme der Kinder- und Jugendreihe erzählen auffallend oft traurige oder schwierige Geschichten.

Katja Reimann
Cherrybomb
Poolparty. Die Freunde Malachy (Rupert Grint) und Luke (Robert Sheehan) schwärmen in "Cherrybomb" beide für das gleiche Mädchen:...Foto: Berlinale

Er fühle sich, sagt der Junge in „Teenage Response“, „wie ein Klumpen Knete, der geformt werden muss“. Hinter seinem Grinsen erahnt der Zuschauer ein bisschen Angst. Es ist, das vermitteln die Filme der Generation Kplus und 14plus, nicht einfach, Kind zu sein. Und es wird nicht leichter herauszufinden, wer man ist, wenn Liebe ins Spiel kommt und sich Körper und Seele so unfertig anfühlen wie, ja, wie ein Brocken Knete.

27 Langfilme aus 25 Ländern haben die neue Sektionsleiterin Maryanne Redpath und ihr Team ausgewählt, 30 Kurzfilme kommen hinzu. Grenzen ausloten, sich selbst spüren, das wollen die jugendlichen Protagonisten der 14-plus-Filme. Die „Bedrohungen der Jugend“ sollen sie meiden, warnt der Schulleiter des amerikanischen Eliteinternats im bedrückend stillen „Afterschool“ (USA), nachdem zwei Mädchen auf dem Campus an Drogen gestorben sind. Dabei sind es genau die „threats of youth“, nach denen gehungert wird. Auch der 20-jährige Axl provoziert einen volltrunkenen Absturz nach dem nächsten. Kein Abend vergeht in Alexis Dos Santos rasant erzähltem „Unmade Beds“ (Großbritannien), dem Eröffnungsfilm von 14plus, ohne Alkohol. Dos Santos vermittelt ein Lebensgefühl – und liefert per Soundtrack die Musik dazu.

Ähnlich kultverdächtig, wenn auch im schwer verständlichen irischen Englisch: „Cherrybomb“ (Großbritannien), die Geschichte über einen wilden Sommer der Freunde Luke und Malachy (gespielt von Harry-Potter-Star Rupert Grint, der die Berlinale-Hotlines heißlaufen lässt) in Belfast. Wer erobert die Schönheit Michelle? SMS-Nachrichten fliegen hin und her, laufen als Ticker über die Leinwand: Party tonight, bring everybody!

Der 14-jährigen Jenna in „I taket lyser stjärnorna“ (Schweden) hilft Feiern beim Vergessen. Zu Hause liegt ihre krebskranke Mutter im Sterben und die Oma nervt. Maru und Roman laufen lieber davon, wenn auch vorerst nur ins Zelt auf dem eigenen Hausdach. Was im mexikanischen „Voy a explotar“ als romantische Flucht beginnt, gerät außer Kontrolle. Und zeigt, wie stark Gemeinsamkeit macht, wenn alles zum Heulen ist.

Von Freundschaft erzählt auch, rührend-komisch und detailverliebt, der Knetgummi-Animationsfilm „Mary and Max“. Mary, acht Jahre alt, beginnt einen Briefwechsel mit dem 44-jährigen New Yorker Max, gesprochen von Philip Seymour Hoffman. Mit ihren Eltern kann sie nicht reden. Die Mutter ist alkoholsüchtig, der Vater damit beschäftigt, tote Vögel auszustopfen. Mit Max hingegen diskutiert Mary Lebenswichtiges: Wie verliert man Gewicht und was ist Liebe?

Die Welt der Erwachsenen ist nicht immer leicht zu verstehen – auch nicht für die Protagonisten der Kinderfilme Kplus. Da ist zum Beispiel Max. Als seine Mutter in der Kirche aufsteht und die ganze Stadt zu einer Silvesterparty einlädt, möchte er sich am liebsten verkriechen. Seine Mama, findet der 12-Jährige in „Max Pinlig“ (Dänemark), ist oberpeinlich. Doch bald kommt Max ins Grübeln: Vielleicht ist Coolness doch nicht alles?

Auffallend oft erzählen gerade die K-plus- Filme schwierige Geschichten. „Die Kinder erwarten diese Herausforderung“, meint Redpath. Doch manchmal scheinen die Filme eher für Erwachsene geeignet. Im tschechischen „Kdopak by se vlka bál“ glaubt Terezka, dass ihre Mutter eine Außerirdische ist. Warum sonst sollte sie sich plötzlich so komisch benehmen, mit einem fremden Mann musizieren und die Familie verlassen wollen?

Leons Mutter hat ihre Entscheidung getroffen. Im Kanada der sechziger Jahre verlässt sie ihren Mann und die zwei Söhne, um sich in Griechenland als Malerin zu verwirklichen. Weil Leon glaubt, dass dies seine Schuld ist, versucht sich der Zehnjährige in „C’est pas moi, je le jure!“ umzubringen – und das mehrmals. Vom elfjährigen Antoine L’Écuyer so ergreifend wie kaltblütig gespielt, birgt der Film genug Stoff für schlechte Träume.

Fröhliche Ausnahme unter all den Geschichten, die von Zwangsheirat („Niloofar“), vom Verlust geliebter Menschen („The Strength of Water“) und der Suche nach Mutter oder Vater („Gagma Napiri“) handeln, ist der schwedische Zeichentrickfilm „Mamma Mu & Krakan“, empfohlen für Kinder ab fünf. Heiter und unbeschwert erzählt er von zwei ungleichen Freunden: einer Kuh, die Fahrrad fährt und einer Krähe, die putzt.

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