Tegan and Sara live in Berlin : Zucker gegen Herzschmerz

Tegan and Sara gaben im Berliner Huxleys Neue Welt ein gut gelauntes Synthiepop-Konzert - inklusive Trennungsberatung und Touranekdoten.

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Das kanadische Duo Tegan and Sara im Berliner Huxleys.
Das kanadische Duo Tegan and Sara im Berliner Huxleys.Foto: Foto: DAVIDS/Boillot

Rosa und türkis. Die Beleuchtung passt perfekt zum Synthiepop von Tegan and Sara, die seit ihrem Album „Heartthrob“ von 2013 daran arbeiten, das akustische Äquivalent zu einer XL-Packung klebrig-bunten Konfekts herzustellen. Sie sind auf einem guten Weg, wie ihr Konzert im Berliner Huxleys Neue Welt zeigt.

Schon beim Eröffnungssong „Back In Your Head“ lassen sie es mächtig quietschen und wummern. Der Song mit dem genial simplen Pianoleitmotiv stammt noch aus ihrer Indierock-Zeit, doch die kanadischen Zwillinge haben ihm eine elektronische Politur verpasst, sodass er sich nahtlos in ihren neuen Sound einfügt, der irgendwo zwischen Cindy Lauper und Katy Perry angesiedelt ist.

Wobei die beiden im Unterschied zu Letzterer nicht nur damit kokettieren, „ein Mädchen geküsst zu haben“, sondern seit jeher offen lesbisch auftreten, weshalb sie viele Fans in der queeren Community haben. Tegan scherzt in einer Ansage darüber, dass Konzerte des Duos „das neue Tinder“ für Frauen seien, die Frauen kennenlernen wollen – und widmet den Song „I Was A Fool“ allen, die gerade eine Trennung durchmachen. In knallrotes Licht getaucht schmachten sich die Schwestern durch diese an Roxette erinnernde Kitschbomben-Ballade. Wunderbar.

Zum aktuellen Album „Love You To Death“ kommen sie erst spät

Gut auch, dass sie sich in ihrer 90-minütigen Show ganz auf ihr poppiges Kerngeschäft konzentrieren und in ihren unterhaltsamen Zwischenansprachen weder Politik noch Terror thematisieren, der ja gerade erst ihre Heimat erschüttert hat. Bei Tegan and Sara geht es um Liebe, Herzschmerz, Party – und das bringen sie zusammen mit ihrer dreiköpfigen Band überzeugend auf die Bühne.

In der Mitte des Konzerts haben die 36-Jährigen einen kleinen Akustikteil eingebaut, den sie alleine bestreiten. „The Con“ fehlt zwar mit nur einer Gitarre etwas der Schwung, dafür wird das aus der TV-Serie „Grey’s Anatomy“ bekannte „Where Does The Good Go“ zu einem Mitsing-Höhepunkt des Abends. Erst spät kommen Tegan and Sara zu den Songs ihres aktuellen, achten Albums „Love You To Death“. Doch vor allem mit „U-Turn“ und „Boyfriend“, dessen Laut-leise-Dynamik sie souverän zelebrieren, beweisen sie ihr Gespür für feine Popmelodien und bringen den Laden zum Tanzen. Hüpfen gegen Herzschmerz und die Berliner Winterkälte – klappt.

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