Teheran öffnet sich kulturpolitisch : Kunst der Diplomatie

Teheraner Tauwetter: Iran will seit Jahrzehnten unter Verschluss gehaltene Werke von Warhol, Pollock oder Bacon im Winter 2016/2017 nach Berlin ausleihen.

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Öffnung. Außenminister Steinmeier und Irans stellvertretender Kulturminister Moradkhani im Oktober im Teheraner Museum of Contemporary Art. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
Öffnung. Außenminister Steinmeier und Irans stellvertretender Kulturminister Moradkhani im Oktober im Teheraner Museum of...Foto: Bernd von Jutrczenka/picture alliance / dpa

Mit der Aufhebung der Sanktionen aufgrund der Atomwaffen-Planung kehrt der Iran auf die internationale Bühne zurück, wie in der Politik nun auch in der Kunst. Im vergangenen Oktober wurde die Nachricht fast ein wenig übersehen, dass eine Ausstellung mit den Highlights des Teheran Museum of Contemporary Art (TMoCA) im Winter 2016/17 in Berlin gezeigt werden soll.

Doch die Entwicklung im Iran verläuft rasant, die kulturelle Öffnung kommt voran und macht die geplante Leih-Ausstellung zu einer Sensation ersten Ranges. Eine Absichtserklärung zur Ausleihe wurde während des Besuchs von Außenminister Steinmeier und in dessen Anwesenheit im Oktober in Teheran vom Vizepräsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Günther Schauerte, sowie dem Direktor des TMoCA, Majid Mollanoroozi, unterzeichnet. Steinmeier hat bei der Unterzeichnung des Memorandum of Understanding (MoU) die Unterstützung seines Amtes zugesagt – was wohl auch und gerade eine finanzielle Beteiligung einschließt.

Aus dem Außenministerium verlautete zu dem durchaus noch heiklen und nicht endgültig gesicherten Projekt, es sei „in besonderer Weise geeignet, Sichtweisen hier bei uns, aber auch im Iran über die Wertschätzung der klassischen europäischen Moderne aus der Sammlung des TMoCA zu verändern und im Sinne eines kulturellen Austausches zueinander zu bringen“.

Das Auswärtige Amt wird sich an den Kosten beteiligen

Das ist die Diktion, die Steinmeier, der wie kaum ein Amtsvorgänger die Auswärtige Kulturpolitik als integralen Bestandteil deutscher Außenpolitik betrachtet und betreibt, beständig im Munde führt. Auswärtige Kulturpolitik diene dazu – so eine wiederkehrende Formulierung, „im vorpolitischen Raum Orte der Freiheit und der kulturellen wie wissenschaftlichen Zusammenarbeit zu schaffen und zu erhalten“. Das gelte „gerade auch bei schwierigen Partnern“. Immerhin „Partner“: Schließlich haben Steinmeier und seine Amtskollegen der wichtigsten westlichen Länder gerade erst das Verhandlungsmarathon über das iranische Atomprogramm hinter sich gebracht.

In Teheran stehen die Zeichen auf Aufbruch. Im TMoCA findet derzeit die erste von einem nicht-iranischen Kurator besorgte Ausstellung seit der Revolution von 1979 statt: Der italienische Tausendsassa Germano Celant zeigt 130 Arbeiten der im Iran hoch geschätzten Künstlerin Farideh Lashai (1944-2013) zusammen mit Spitzenwerken der Museumssammlung. In diesem Klima einer deutlich vergrößerten Freiheit für die Kunst soll die geplante Leih-Ausstellung für einen weltoffeneren Iran werben. Danach soll Berlin für drei Monate Laufzeit die erste Station einer Tournee sein, für die sich auch das MaXXI in Rom und das Hirschhorn Museum der nationalen Smithsonian Institution in Washington interessieren. In Berlin kommt nach der Schließung der Neuen Nationalgalerie nur die Gemäldegalerie mit ihrer riesigen Mittelhalle in Frage. Für jede der drei Stationen würden Kosten von schätzungsweise weit über einer Million Dollar anfallen. Dass eine „Leihgebühr“ gezahlt werden müsse, verneinen die Staatlichen Museen. Denkbar ist stattdessen eine entsprechende Beteiligung an den Besuchereinnahmen. Das Auswärtige Amt wird sich an den Kosten beteiligen, und da die Ausstellung, wenn sie denn kommt, ins Jahr 2017 hinüberreichen würde, könnten aus dem Bundeshaushalt des kommenden Jahres zusätzliche Mittel fließen.

Die Werke wurden in den 70ern auf Betreiben der Schah-Gattin gekauft

Gezeigt werden soll eine gleich große Anzahl von Arbeiten westlicher und iranischer Künstler. Angekauft wurden die Werke von Pollock, Bacon, Johns und Warhol – um nur einige zu nennen – in den siebziger Jahren auf Betreiben der Schah-Gattin Farah Pahlevi; sie wurden nach der Revolution von 1979 jahrzehntelang unter Verschluss gehalten.

Vor Jahren rankten sich Gerüchte um angebliche Verkäufe seitens des Regimes. So hieß es, ein Spitzenwerk von Jackson Pollock, „Mural (on Indian Red Ground)“ von 1950 sei für über 100 Millionen Dollar an einen amerikanischen Hedge-Fonds-Manager abgegeben worden. Das Gemälde stammt aus der Privatsammlung des langjährigen Chefkurators des Museum of Modern Art, William Rubin. Alles Humbug, sagt Museumsdirektor Mollanoroozi.

Er weilte vergangene Woche in Berlin. Wenn alles glatt geht, können Kunstfreunde ab Dezember das unversehrte Original in Berlin bewundern, wie es Steinmeier bereits in Teheran hat sehen können. Am kommenden Dienstag fliegt der AA-Chef erneut in den Iran. Der Abschluss eines Leihabkommens für Berlin wäre das Sahnehäubchen auf seinen politischen Verhandlungen.

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