Teheran-Sammlung in Berlin : West-östlicher Diwan

Werke von Pollock, Rothko und Warhol Wand an Wand mit iranischer Kunst des 20. Jahrhunderts: Die Nationalgalerie zeigt die erlesene Teheran-Sammlung.

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Andy Warhol, "The American Indian" von 1976 aus dem Teheran Museum of Contemporary Art.
Andy Warhol, "The American Indian" von 1976 aus dem Teheran Museum of Contemporary Art.Foto: Teheran Museum of Contemporary Art

Es sollte eine kleine Sensation werden, mit der die Nationalgalerie in den Räumen der Gemäldegalerie ihre Besucher überraschen wollte. Zum ersten Mal sollte die Ausstellung „Teheran Sammlung. Das Teheran Museum für zeitgenössische Kunst in Berlin“ mit 30 Werken der westlichen Moderne und 30 Werken der iranischen Moderne zu sehen sein. Das Teheran Museum für zeitgenössiche Kunst (TMoCA) wurde 1977 von Farah Pahlavi, der Frau des Schahs – der Schahbanu –, in einem von Kamran Diba entworfenen Bau inmitten eines Parks eröffnet. Die Sammlung gilt als die größte westlicher moderner Kunst außerhalb Europas und der USA.

Geld spielte keine Rolle

„Unter Farah Pahlavi wurde innerhalb kürzester Zeit eine erlesene Sammlung zusammengekauft. Geld spielte keine Rolle“, erzählt Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die die Ausstellung mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes und in Kooperation mit dem Museo nazionale delle arti del XXI seccolo (MAXXI) in Rom nach Berlin holen will.

Mark Rothko, "No. 2 (Yellow Center)", 1954, Öl auf Leinwand.
Mark Rothko, "No. 2 (Yellow Center)", 1954, Öl auf Leinwand.Foto: Teheran Museum of Contemporary Art

„Man wollte damals Größe zeigen, nicht nur eine große Armee, sondern auch eine große Kunstsammlung aufbauen“, erzählt Parzinger. Und so konnten die Iraner auf dem internationalen Kunstmarkt einkaufen, was damals Rang und Namen hatte – und wozu der Neuen Nationalgalerie damals schlicht das Geld fehlte.

So ergänzen die einzigartigen Arbeiten von Jackson Pollock, Mark Rothko, Francis Bacon, Andy Warhol und Duane Hanson das Bild der Kunst der 60er und 70er Jahre, „es kommen Werke von Jasper Johns, aber auch unbekannte Werke bekannter Künstler“, schwärmt Joachim Jäger, stellvertretender Leiter der Neuen Nationalgalerie. Er hatte den Stein ins Rollen gebracht, als er in Teheran eine Ausstellung über Otto Piene kuratierte. Bei dieser Gelegenheit besuchte er auch die Sammlung des Teheraner Museums, das nach der iranischen Revolution und dem Sturz des Schah 1979 geschlossen und erst 2000 wieder geöffnet wurde. Seitdem sind einige Werke schon einmal im Ausland gezeigt worden, aber die Berliner Ausstellung wird eine Premiere sein.

Faramarz Pilaram, "Calligraphy-Painting", 1975, Öl auf Leinwand
Faramarz Pilaram, "Calligraphy-Painting", 1975, Öl auf LeinwandFoto: Teheran Museum of Contemporary Art

Die Farben sind einzigartig

Weil die Bilder so lange im Depot unter Verschluss waren, ist die Farbigkeit offenbar einzigartig. Zu den Werken, die nach Berlin kommen sollten, gehört auch eines der frühesten Modelle des verhüllten Reichstags von Christo und Jeanne-Claude. Doch die Ausstellung wird nicht nur Spitzenwerke westlicher Moderne zeigen, sondern auch 30 Arbeiten der iranischen Moderne, die hierzulande fast unbekannt ist. Zu den großen Künstlern der 70er Jahre zählen Faramarz Pilaram, Mohsen Vaziri-Moghaddam und Behjat Sadr, um nur einige zu nennen. Hermann Parzinger, der von 2000 bis 2004 für das Deutsche Archäologische Institut in Teheran gearbeitet hat, freut sich über das Potenzial für die Kulturarbeit mit Iran. „Wir helfen auch bei der Restaurierung von Werken der frühen Moderne und schicken dafür Leute nach Teheran.“

Mohsen Vaziri Moghaddam, "Scratches on the Earth", 1963.
Mohsen Vaziri Moghaddam, "Scratches on the Earth", 1963.Foto: Teheran Museum of Contemporary Art

Die Schau in Berlin sollte von einem umfangreichen Rahmenprogramm des Goethe Instituts begleitet werden. Denn gerade in schwierigen Zeiten ist es notwendig, ein differenziertes Bild des Landes zu zeichnen. Veranstaltungen zu Film, Literatur, Musik und Theater zeigen die aktuelle iranische Kulturszene und vermitteln überraschende neue Einsichten. Anschließend sollte die Ausstellung nach Rom ins MAXXI weiterreisen – viele andere Städte weltweit hatten sich vergebens um die „Sammlung Teheran“ bemüht.

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