Kultur : „Teilen Sie unsere Vision!“ Berliner Museumsstreit: Sponsoren gesucht

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Einen Monat ist es mittlerweile her, dass Kulturstaatsminister Bernd Neumann mit der 10-Millionen-Gabe an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz den Aufreger des Sommers anstieß: den geplanten Ringtausch der Staatlichen Museen, bei dem die Gemäldegalerie der große Gewinner werden soll – und doch im Augenblick als großer Verlierer erscheint.

Als Folge eines Kommunikationsdesasters ist der anschwellende Protestgesang bezeichnet worden. Dabei war die Preußen-Stiftung selbst von Neumanns im Bundestag ausgehandeltem Geldsegen überrascht worden. Doch jetzt wird argumentativ dagegengehalten. Soeben ist eine Broschüre fertiggestellt worden, die unter dem Titel „Die Rückkehr der Gemäldegalerie – Der Beginn einer neuen Ära“ den geplanten Umzug als „Vollendung der Museumsinsel Berlin“ preist. Ums Preisen geht es vorrangig, handelt es sich doch, wie ein Sprecher der Staatlichen Museen dem Tagesspiegel erläuterte, um eine „Sponsorenbroschüre“. Nicht die Allgemeinheit ist Adressat des 52-seitigen, aufwendig gestalteten Druckwerks, sondern ausgewählte Empfänger sollen zu guten Taten angeregt werden.  „Reihen Sie sich ein in die namhafte Liste bedeutender Förderer des Bode-Museums“, heißt es am Schluss, und als Ansprechpartner wird zuallererst der „Leiter Development Unit/Sponsoring“ genannt, wie die Amtsbezeichnung für Stephan N. Barthelmess auf Neudeutsch lautet.

Natürlich ist die Broschüre nicht als Schnellschuss entstanden, um den Bürgerprotesten die Spitze zu nehmen. Sie lag nur, wenn man so will, nicht rechtzeitig genug vor. Wie auch immer, die Staatlichen Museen finden Unterstützung weltweit: Ob Louvre, Eremitage, British Museum oder Metropolitan, ihre Direktoren geben der geplanten Zusammenführung von Malerei und Skulptur ihren wortmächtigen Segen. Die Bildpaare, die das Heft doppelseitig aus Mittelalter, Renaissance und Barock vorlegt, verfehlen ihre Wirkung gewiss nicht.

Auffälligerweise ist vom Kunsthandwerk nur am Rande die Rede. Dabei gehört dies zu der unablässig beschworenen Konzeption Wilhelm von Bodes, des Schöpfers des seit 1956 nach ihm benannten, vormaligen Kaiser-Friedrich-Museums, unabdingbar hinzu. Türfüllungen, Truhen, Marmorböden, Altäre, nicht zuletzt Bilderrahmen, alles hat Bode gesammelt, um die Einheit der Kunstgattungen, wie sie bis an die Schwelle der Moderne selbstverständlich war und von zahllosen Meistern verkörpert wurde, zu unterstreichen. An eher versteckter Stelle im Heft heißt es jetzt, der Erweiterungsbau werde „ermöglichen, auch Beispiele des Kunsthandwerks sowie der Zeichnungen und Druckgrafik mit ausgewählten Exponaten in die Präsentation einzubeziehen“. Auch.

Einmal abgesehen davon, dass der Bürokratenstil dieses Satzes nicht gerade Begeisterung für das erahnen lässt, was er doch bewerben will, wird ein gehöriger Diskussionsbedarf erkennbar. Damit nicht das Kupferstichkabinett und das ohnehin gebeutelte Kunstgewerbemuseum am Ende die Verlierer sind, für die sich niemand mehr zuständig fühlt. Wenn schon Epochenräume – dann tatsächlich nach Art von Bodes.

„Teilen Sie unsere Vision. Umso schneller wird sie Realität“, lässt sich Michael Eissenhauer, Generaldirektor der Staatlichen Museen, am Ende des Hefts zitieren. Am schnellsten allerdings wird die Vision Wirklichkeit, wenn es einen verbindlichen Beschluss des Deutschen Bundestages gibt, die Kosten eines Neubaus zu schultern. In der Broschüre werden sie mit 150 Millionen Euro beziffert. So viel hat, nebenbei, die Generalsanierung des Bode-Museums gekostet, das in seinen Ausmaßen die Richtgröße für die Erweiterung bildet. Bernhard Schulz

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