• Telekom und Börse: "Dann werden wir Herrn Sommer verklagen" - interview mit Reinhild Keitel

Kultur : Telekom und Börse: "Dann werden wir Herrn Sommer verklagen" - interview mit Reinhild Keitel

Frau Keitel[muss Ron Sommer zurücktreten?]

Reinhild Keitel ist Mitglied im Vorstand der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK).

Frau Keitel, muss Ron Sommer zurücktreten?

Nach allem, was sich inzwischen gezeigt hat, sollte er den Vorstandsposten räumen.

Was werfen Sie ihm vor?

Der letzte Stein des Anstoßes war, dass die Telekom vor vier Wochen eine falsche Mitteilung herausgegeben hat. Damals hieß es, der Gewinn liege bei 7,4 Milliarden Euro. Das musste die Telekom nun um zwei Milliarden Euro nach unten revidieren. Kein Mensch kann glauben, dass vorher keiner im Hause wusste, dass die Immobilien neu bewertet werden müssen. Man hätte die Aktionäre einfach früher warnen sollen.

Werden Sie gegen Ron Sommer juristisch vorgehen?

Wir prüfen die Börsenprospekte von 1999 und 2000, ob hier falsche Angaben gemacht wurden. Wenn ja, dann werden wir Herrn Sommer auf Schadenersatz verklagen.

Welche strategischen Fehler hat Ron Sommer gemacht?

Herr Sommer hat es nicht geschafft, die Internationalisierung seines Unternehmens voranzutreiben. Er hat zu viel Geld für die neue Mobilfunktechnik UMTS ausgegeben, wobei er mit seinem eigenen Bieterverhalten die Preise für die Lizenzen in die Höhe getrieben hat. Er wollte nämlich die anderen vom Markt drängen. Dann hat Herr Sommer für das amerikanische Mobilfunkunternehmen Voicestream einen viel zu hohen Preis geboten. Er hat auf dem Höhepunkt der Preisbildung ein Mobilfunkunternehmen gekauft, das so viel Umsatz macht wie Verlust. Schließlich hat er auch bei T-Online gravierende Fehler gemacht. Das Unternehmen war monatelang führungslos.

Niemand war gezwungen, T-Aktien zu kaufen.

Die letzte Platzierung von T-Aktien an der Börse zu 66,50 Euro war eine reine Abzockerei der Kleinanleger. Zuvor wurde der Kurs künstlich in die Höhe getrieben, weil die Telekom auch die Aktien des Bundes zum Handel zugelassen hatte. Seither ist der Kurs nur noch bergab gegangen.

So ist es auch anderen Telekommunikationswerten ergangen, nicht nur der Telekom...

Sicher leiden alle Telekommunikationswerte unter den Belastungen durch die hohen Kosten für UMTS. Aber bei Herrn Sommer kumulieren die Probleme. Wir werfen ihm vor, dass er seine Aktionäre zu wenig über die Strategie des Unternehmens informiert. Er muss deutlicher zeigen, wie er aus der jetztigen Krise wieder herauskommen will.

Was raten Sie Telekom-Aktionären, verkaufen oder durchhalten?

Es bleibt jedem Anleger selbst überlasen, ob er jetzt ein Ende mit Schrecken macht oder ob er durchhält und auf Besserung hofft. Realistischerweise kann man nicht erwarten, dass wir das hohe Kursniveau des Vorjahres in absehbarer Zeit wieder erreichen.

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