Kultur : Telemanns Nöte

Das Deutsche Kammerorchester widmet einen Abend der Bratsche

Ulrich Pollmann

Ein nettes Präsent hat das Deutsche Kammerorchester Berlin für das weihnachtlich gestimmte Publikum im kleinen Saal der Philharmonie parat: Das erste Bratschenkonzert der Musikgeschichte! Die sanftmütig-nachsichtige Stimmung zum Fest verbietet es natürlich, jetzt Bratscherwitze zum besten zu geben. Zur Weihnachtszeit sollen die wackeren Spieler der etwas zu groß geratenen Violine nicht Ziel von Spott und Hohn sein. Und das erwähnte Konzert, es ist von Georg Philipp Telemann, gibt dazu auch wenig Anlass.

Telemann hat über 100 Instrumentalkonzerte verfasst und dabei alle denkbaren Instrumente und Kombinationen berücksichtigt. Das Gerücht, dass dabei weniger demokratische Gesinnung als vielmehr pure Geschäftstüchtigkeit den Ausschlag gab, hält sich hartnäckig. Immerhin, Telemann vermerkte höchstselbst, dass Instrumentalkonzerte nicht seine Stärke sind. Zu viel Konvention, zu wenig eigener Gedanke prägen die meisten seiner Beiträge zu dieser Gattung. Mit der Viola indessen geht er sehr einfühlsam um. In den schnellen Sätzen überfordert er das gedeckt klingende Instrument nicht, lässt es unspektakulär mit dem Ensemble kommunizieren, versucht es nicht zum glanzvollen Soloinstrument zu erheben.

Die Stunde des Solisten schlägt im Andante, wo Felix Schwartz sein Instrument zart und geschmeidig zum Singen bringt. Es stellen sich feine Klangfarben ein, die man in den schnellen Sätzen – und auch im anderen barocken Stück des Abends, einem Concerto Grosso von Händel – gelegentlich vermisst: Das Deutsche Kammerorchester kann die Klangraffinesse eines reinen Barockensembles nicht bieten.

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