Kultur : Tempelhof? Wir fliegen weiter Satellitenmesse (1):

die Preview Berlin

Jens Hinrichsen

Pling, pling, pling: Auf die Idee, ein halbes Dutzend japanischer Winkekatzen auf Trinkgläsern herumklopfen zu lassen, musste man erst mal kommen. Wenn man so will, läuten Dieter Lutschs goldfarbene Plastikglücksbringer in der Koje von Jarmuschek und Partner die Preview Berlin ein (1500 bis 5000 Euro). Ein Hahnenkampf als Wandteppich, eine Käferflagge, ein Schweinefigürchen, das auf dem Plattenteller den Drehwurm kriegt: Nein, die vierte Ausgabe der Top-Satellitenmesse Berlins ist keine Tierschau, obwohl sogar in der neu geschaffenen „Blue Room“-Förderkoje ein Federvieh lauert, Søren Loses gespenstische Nachbildung des Reichsadlers, der in der NS-Zeit auf dem Flughafendach von Tempelhof stand.

„Wir bleiben im Hangar 2, auch wenn der Airport den Flugbetrieb einstellt“, kündigt Kristian Jarmuschek, einer der Organisatoren, jetzt schon an. Der Hangar ist luftig, trotz 57 Galerien-Kojen kommt nirgendwo der Eindruck von Käfighaltung auf. Ob in allen Nestern goldene Eier liegen, das ist die heiklere Frage. Manche Aussteller können sich auch diesmal die Witzkunst nicht verkneifen und präsentieren eine Motorsäge mit Glitzerpaillettengriff oder eine vom Hula-Reifen überrollte Clownspuppe.

Leicht verkäuflich, im Jahr null der Bankenkrise? Die Kreditkarten stecken fester in den Brieftaschen: Wenigstens Krammig & Pepper aus Berlin tragen dem Rechnung, wenn sie mit neuer Ernsthaftigkeit Carsten Gliese präsentieren. Seine dekonstruktivistische Pappskulptur „Tür“ (6400 Euro) überzeugt ebenso wie die Vexierspiele mit Räumen und Lichtern, die der Kölner Künstler auf Fotos inszeniert (je 1200 Euro).

Videoarbeiten sind vor allem auf der Empore in einer „Video Art Box“ versammelt; erstmals fand außerdem ein „Performance Art Day“ statt, und Galerien wie Qbox aus Athen integrieren das Genre sogar in den Tagesbetrieb. Qbox stellt außerdem starke Zeichnungen der in den USA renommierten 57-jährigen Künstlerin Heide Fasnacht vor: Explosionen und Vulkanausbrüche (je 7000).

Passend zum Airport-Ambiente wird die Messe immer internationaler. Vier US-Galerien sind angereist, Dänemark bildet einen Länderschwerpunkt. Der Kopenhagener Christoffer Egelund ließ die Front seiner Koje von Morten Steen Hebsgaard zersägen und zeigt humorvoll-boshafte Gemälde von Anders Brinch, die den Kampf zwischen Natur und Zivilisation behandeln (Preise auf Anfrage). Der Dschungel gewinnt – und was darin kreucht und fleucht. Jens Hinrichsen

Preview Berlin. Bis 2. 11., täglich 13 - 20 Uhr. Flughafen Tempelhof, Hangar 2.

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