Kultur : Tequila

KNUD KOHR

Jetzt mal ehrlich. Wenn vor Ihnen zwei junge, schlanke Frauen in knallroten Korsagen stehen, die eine blond, die andere schwarzhaarig, und strahlend lachend tanzen: Wohin schauen Sie dann zuerst? Heißen die beiden Damen Anina Krüger und Christina Delius, fällt eine Antwort leicht: Auf die Füße. Denn die dänschen Stepperinnen bilden - zusammen mit ihren drei Begleitmusikern - das DK Tap Duo & Band, das am Montag abend die Gäste der Junction Bar zum fröhlichen Dauergrinsen brachte. Rein gar nichts, was sie taten, war in irgend einer Weise innovativ. Die Band mit dem dezent zuschlagenden Drummer Frank Tscheile, Pianist Christian van der Goltz und Stefan Weeke am akustischen Bass spielte Klassiker des Unterhaltungsjazz, Kompositionen von Bud Powell etwa oder Stücke, die sich die schwarze Steplegende Leo Collins für seine Shows in den 20er Jahren auf die wirbelnden Füße schreiben ließ. Und hielt sich zurück, wenn die Tänzerinnen zu ihren Einlagen auf die Bühne kamen. Krüger und Delius steppten - nie ganz synchron, nie ganz perfekt, aber immer ganz charmant - wie es sich gehört: Mal zusammen, mal mit wechselnden, sich gegenseitig überbietenden Soli. Da sie sich offensichtlich auch backstage gut verstehen, wurde die Stimmung nie zickig. Sondern eher so, als zeigten sich zwei gute Freundinnen gegenseitig ihre neuen Kleider, die sie gerade vom Einkaufsbummel mitgebracht haben. Spätestens, als die Band "Tequila" spielte und vorher das Publikum bat, doch um Himmelswillen nicht mitzusingen, war der Saal unter Kontrolle. Die Stepperinnen gaben ihrem Publikum eine Ahnung davon, wie die Stimmung gewesen sein könnte, als die jungen Alice und Ellen Kessler ihren Siegeszug in den Pariser Clubs begannen. Und das kann nicht verkehrt sein.

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