Kultur : Terror auf Borneo: "Es gibt Kräfte, die keine Ruhe wollen"

Rüdiger Machetzki ist wissenschaftlicher Mita

Rüdiger Machetzki ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Asienkunde in Hamburg und Experte für Indonesien. Mit ihm sprach Armin Lehmann.

Der Konflikt zwischen Ureinwohnern und Zuwanderern auf Borneo ist alt. Warum erleben wir jetzt diese Eskalation?

Weil die Zentralmacht geschwächt ist. Früher unter einem straff organisierten militärischen System sind solche Dinge nie bekannt geworden. Aber es gab sie. Dieses geschlossene Regime hat die Außeninseln kontrolliert. Suharto war clever im Ausspielen aller Kräfte, aber er hat auch die gesamte Ordnung destabilisiert. Als er dann wegen der Wirtschaftskrise gekippt wurde, war Jakarta nicht mehr in der Lage, auf den Inseln für Ruhe zu sorgen. Die Folgen erleben wir jetzt.

Wo man hinschaut in Indonesien - überall Unruhe. Dabei ist Präsident Wahid angetreten, um die Kämpfe zu stoppen.

Wahid ist gewählt worden, weil er als kompromissfähig gilt. Für Indonesien war es aber wichtig, überhaupt einen solchen Kompromisskandidaten zu finden. Er ist der Mann, der den Aufbau von Gegensätzen am ehesten verhindern kann. Es gibt keine bessere Alternative. Doch Wahid ist überfordert. Er schafft es nicht, für Ruhe zu sorgen, weil da Kräfte und Gruppierungen sind, die eben keine Ruhe wollen. Sie wollen, dass in Jakarta das Gefühl aufkommt, es herrsche Chaos. Dann könnten sie sagen, seht her, wir brauchen wieder einen starken Mann.

Wer hat Interesse an Eskalation?

Allgemein gesprochen die konservativen-reaktionären Kräfte in der Militärführung. Das Militär hat in der Bevölkerung enorm an Prestige verloren. Diese Kräfte scharen sich um den alten Suharto-Clan. Ich bin mir sicher, die alten Konflikte, die wir jetzt wieder aufflammen sehen, sind auch von ihnen geschürt.

In Ost-Timor sichern UN-Blauhelme den Frieden. Sollten sie auch nach Borneo?

Wenn, dann müssen es die Südostasiaten machen. Denn egal, unter welchem Etikett wir dort auftreten, wir sind für die Leute immer die alten Kolonialherren.

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