Kultur : Terror auf Borneo: Zwischen Gewalt, Unterdrückung und Wirtschaftschaos

Michael Streck

Aceh: In der nördlichen streng muslimischen Provinz der Insel Sumatra kämpfen Rebellen der Bewegung "Freies Aceh" für einen von Indonesien unabhängigen Staat. Bei Gefechten und Überfallen sind in den vergangenen Jahren mehrere Tausend Menschen getötet worden. Menschenrechtsorganisationen werfen den indonesischen Sicherheitskräften brutalen Terror vor. Vergangenes Jahr wurden erstmals Soldaten für ein Massaker an Zivilisten verurteilt. Mehrfache Friedensgespräche und Waffenstillstandsabkommen blieben bislang erfolglos. Die Regierung in Jakarta lehnt staatliche Autonomie strikt ab. Auch eine ausländische Vermittlung wird bislang zurückgewiesen. In der rohstoffreichen Region mit Öl und Erdgas ist die staatliche Ordnung weitgehend zusammengebrochen, die Wirtschaft liegt am Boden.

Molukken: Die Gewürzinseln waren in den vergangenen beiden Jahren immer wieder Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen, bei denen nach Schätzungen bisher 5000 Menschen ums Leben kamen. Ursprünglich bildeten christianisierte Melanesier die Bevölkerungsmehrheit. Aufgrund des starken Zuzugs muslimischer Migranten sind sie auf manchen Inseln nun in der Minderheit. Die Zuwanderer aus Java und Sumatra besetzen häufig die örtlichen Verwaltungen und kontrollieren den Handel. Verschärft wurde der Konflikt durch paramilitärische Banden, die aus Java kamen. Sie gaben vor, ihren muslimischen Glaubensbrüdern helfen zu wollen und riefen zum "Heiligen Krieg" gegen die Christen auf. Präsident Wahid wirft Anhängern von Ex-Diktator Suharto vor, die Gewalt bewusst zu schüren, um seine Regierung zu destabilisieren.

West-Papua: Trotz schroffer Ablehnung aus Jakarta erklärten im Juni 2000 Vertreter von Nichtregierungsorganisationen und indigener Gruppen die erneute Gründung eines Staates Papua. Für sie sind die Indonesier illegale Besatzer. Das Land hätte seine staatliche Autonomie von der alten Kolonialmacht Niederlande erhalten. Im Jahre 1961 wurde erstmals ein unabhängiges Papua deklariert. Wenig später besetzte Indonesien das Gebiet, beugte sich jedoch dem internationalen Druck zu einer Volksabstimmung. Von Jakarta manipuliert, entschieden sich ausgesuchte Wahlmänner für den Anschluss an Indonesien. Die UNO erkannte 1969 den umstrittenen Wahlausgang und damit Indonesiens Souveränität an. Seither führt die "Bewegung Freies Papua" einen Guerilla-Krieg von ihren Stützpunkten in den Bergen aus gegen die indonesische Armee. Bei Militäroperationen wurden nach offiziellen Angaben 920 Papuas getötet. Menschenrechtsgruppen schätzen, dass diese Zahl um ein Vielfaches höher liegt.

Osttimor: Indonesien annektierte im Jahr 1975 die ehemalige portugiesische Kolonie und erklärte sie zur Provinz - ein Schritt, der von der UNO nie anerkannt wurde. Den Widerstand von Rebellen und Zivilbevölkerung konnte eine überlegene indonesische Armee über 20 Jahre lang nicht brechen. Rund 200 000 Menschen fielen dem Besatzungsterror zum Opfer. Im August 1999 erlaubte der damalige indonesische Präsident B.J. Habibie ein Referendum über die Unabhängigkeit des Landes. Fast 80 Prozent der Osttimoresen entschieden sich bei dieser Abstimmung für die Freiheit. Pro-indonesische Milizen und Soldaten überzogen daraufhin das Land mit einer Gewaltwelle, die erst durch die Invasion einer multinationalen Streitmacht gestoppt wurde. Seitdem regiert eine Übergangsverwaltung der Vereinten Nationen die Inselhälfte. Ende 2001 sollen die ersten freien Wahlen in Osttimor stattfinden.

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