• Terrorwarnung in Deutschland: Ein bisschen geschützt: Wie Deutschland im Ernstfall vorbereitet ist

Kultur : Terrorwarnung in Deutschland: Ein bisschen geschützt: Wie Deutschland im Ernstfall vorbereitet ist

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Ist Deutschland auf einen möglichen Terrorangriff vorbereitet?

Viele Experten sagen nein. Gerade im Bereich Zivil- und Katastrophenschutz sind die Kompetenzen noch zu kompliziert verteilt. Laut Gesetz ist der Katastrophenschutz Ländersache, der Bund hingegen ist für den Zivilschutz zuständig. Nach dem Ende des Kalten Krieges und dem Fall der Mauer verlor der Zivilschutz an Bedeutung, die finanziellen Mittel des Bundes wurden zurückgefahren - weil niemand mehr ernsthaft an eine große Katastrophe geglaubt hat. Sogar das Bundesamt für Zivilschutz wurde aufgelöst, die Aufgaben hat das Bundesverwaltungsamt übernommen, gemeinsam mit der Akademie für Notfallplanung und Zivilschutz in Bad Neuenahr-Ahrweiler. In dieser Akademie wiederum sind seit dem 1. Januar 1997 die Akademie für zivile Verteidigung, die Katastrophenschutzschule des Bundes und die Bundesschule des Bundesverbandes für Selbstschutz vereint. Nach dem 11. September hat Bundesinnenminister Schily angekündigt, für den Zivilschutz 25 Millionen Mark zusätzlich auszugeben. Doch damit wird das Hauptproblem nicht gelöst: Es fehlt an einer zentralen Notstandszentrale.

Gibt es in Deutschland ein Krisenreaktionszentrum?

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Schwerpunkt: Innere Sicherheit Ja. Das gibt es schon. Es ist angesiedelt im Auswärtigen Amt. Peter Linder ist seit Anfang 2000 Krisenbeauftragter der Bundesregierung und Leiter des Zentrums. Wenn es ernst wird, wie am 11. September, werden sofort die Experten der zuständigen Ministerien und Behörden für einen Krisenstab zusammengetrommelt, und es wird ein Notruf mit über 100 freiwilligen Telefonisten eingerichtet. Rund um die Uhr beobachtet mindestens einer der insgesamt rund 20 ständigen Mitarbeiter im Zentrum die Tickermeldungen der Nachrichtenagenturen und auf mehreren Bildschirmen die Fernsehprogramme. Bei größeren Vorfällen werden sofort die obersten "Krisenmanager" der Republik - Staatssekretäre, Rechtsexperten, Polizisten, Psychologen, Öffentlichkeitsarbeiter - alarmiert.

Wie wird eigentlich gewarnt?

Ein satellitengesteuertes Frühwarnsystem stellt sicher, dass im Ernstfall die Lagezentren von Bund und Ländern und die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten innerhalb von etwa 20 Sekunden über Gefahren informiert werden.

Ist Deutschland medizinisch gerüstet?

Ja, sagen die Experten. Allerdings bezieht sich das Ja nur auf die medizinischen Möglichkeiten, Medikamente und Einrichtungen sind ausreichend vorhanden. Das Problem ist auch hier die Logistik. Deshalb fordern Katastrophenmediziner und -pharmazeuten ein Konzept für eine koordinierte Notfallbevorratung. Nun muss über eine Logistikbehörde nachgedacht werden, fordern sie. Über eine Datenbank, die eine Vernetzung aller Krankenhausapotheken, Arzneimittelhersteller und Hilfsdienste ermöglicht, wäre jederzeit zu erfahren, wo gerade wie viele der akut in großen Mengen gebrauchten Medikamente lagern. Auch über Transportstrukturen, über Personal und Aufnahmekapazitäten der Krankenhäuser könnte die Datenbank Auskunft geben.

Gibt es genug Katastrophenmediziner?

Es könnten viel mehr sein, zumindest könnte es mehr Ärzte geben, die sich schnell in die Materie einarbeiten können. Denn bisher gehört die Katastrophenmedizin nicht zum Pflicht-Baustein des Medizinstudiums. Nach Ansicht des langjährigen Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Katastrophenschutz (DGKM), Bernd Domres, "ein Defizit".

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