Kultur : Teufelsgeigerin

Julia Fischer überzeugt im Kammermusiksaal.

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Wirklich gut. Besser als Julia Fischer kann man kaum geigen. Foto: © DECCA/Uwe Arens
Wirklich gut. Besser als Julia Fischer kann man kaum geigen. Foto: © DECCA/Uwe Arens

In Interviews irritiert die Geigerin Julia Fischer gelegentlich durch forsche Meinungsfreudigkeit und unverkrampftes Elitebewusstsein. Beeindruckend ist aber tatsächlich, was die Künstlerin alles kann und bereits erreicht hat: Mit Anfang 20 wurde sie die jüngste Musikprofessorin Deutschlands, sie spielt auf professionellem Niveau auch noch Klavier und leitet als Primaria ein Streichquartett, was sich nur die allerwenigsten Musiker neben der Solistenkarriere zutrauen.

Angesichts von Fischers Auftritt im Kammermusiksaal der Philharmonie mit Werken von Tartini, Mendelssohn, Sarasate und Ravel muss man dann auch einfach anerkennen: Sehr viel besser und auch schöner kann man wohl nicht Geige spielen. Die grundsätzlich anatomisch ja nicht unbedenkliche Handhabung des Instruments wirkt bei Fischer ungemein natürlich. Herrlich frei strömt der Klang, die mirakulöse Bogentechnik der Musikerin erlaubt ihr, bei nahezu jeder Phrasenwiederholung mit einer neuen Strichvariante zu verblüffen. Im Zusammenspiel mit der glänzenden Pianistin Milana Chernyavska zeigt sich außerdem, dass Fischer eine versierte und aufmerksame, beinahe überraschend uneitle Kammermusikerin ist.

Das Programm scheint dabei mit Tartinis Teufelstriller-Sonate, Ravels Tzigane und einer etwas reichlich geratenen Auswahl von Stücken Sarasates ganz auf den virtuosen Aspekt des Violinspiels zu setzen: Doppelgriffkaskaden mit gleichzeitigen Trillern bei Tartini, rechts- und linkshändiges Pizzicato und rasend schnelle Flageolettpassagen bei Sarasate, denen Fischer und Chernyyvaska gerade ein komplettes CD-Album gewidmet haben. Undweil Fischer das Schwierigste so leicht fällt, können sich die Musikerinnen ganz auf den Ausdruck konzentrieren. In Ravels Rhapsodie etwa treffen sie genau den Tonfall zwischen Laszivität und ironischem Maskenspiel. Nur den so schlicht gesetzten wie todtraurigen Mittelsatz aus Mendelssohns F-Dur-Sonate hat man schon bewegender gehört. Benedikt von Bernstorff

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