Kultur : Teuflisch schwer - die Eisler-Hochschule zeigt Spielfreude im Konzerthaus

Martin Wilkening

Igor Strawinskys "Geschichte vom Soldaten" gehört zu jenen Werken, die gleichzeitig bekannt und doch ganz unbekannt sind. Schon der Versuch, eine vollständige Partitur in den eigentlich gut sortierten einschlägigen Berliner Bibliotheken aufzutreiben, stößt auf ungeahnte Schwierigkeiten. Und szenische Aufführungen des gut halbstündigen Musiktheaters sind weit seltener, als man zunächst vermuten möchte.

So ist es eigentlich schade, dass die Professoren und Studenten der Eisler-Hochschule im Konzerthaus auch noch darauf verzichten, das Stück, wie zunächst geplant, wenigstens mit Rezitation aufzuführen - der Stimme jenes moritatenmäßigen Erzählers, der die ansonsten pantomimische Handlung auf der kleinen Wanderbühne, die Strawinsky vorgeschwebt hat, kommentiert. Ohne den Erzähler bleibt dem Zuhörer jedenfalls die Doppelbödigkeit von Tänzen, Märschen und Choral ebenso verborgen, wie die tiefe Melancholie, die die Geschichte des heimkehrenden Soldaten in seine fremd und feindlich gewordene Heimat umhüllt. Strawinsky schrieb das Stück am Ende des Ersten Weltkrieges als Emigrant in der Schweiz.

In der "Konzertsuite", die der Komponist selber in Umlauf brachte, und die wie eine Außenhaut fast durchgehend der rein musikalischen Schicht des Musiktheaters entspricht, bleibt vor allem der Eindruck hektischer, bunter Betriebsamkeit. Und der gaben sich die Musiker der Eisler-Hochschule mit großer Spielfreude hin, mit Lust an dem vertrackten Spiel der flickenmäßig verstreuten und zusammengeklebten Motivfetzen, so leicht anmutend, wie teuflisch schwer zu realisieren - und das merkte man auch, als der Eingangsmarsch bei seiner Wiederholung als Zugabe plötzlich so viel flüssiger erklang, als zu Beginn.

Der Rest des kurzen Strawinsky-Programms wirkte irgendwie lieblos zusammengesucht: die Kürzestfanfare für eine Theatereröffnung, die Kurzelegie für Bratsche und dann die aus der Pulcinella-Suite herausdestillierte "Suite Italienne", die Ulf Wallin geigerisch tadellos, in Tongebung und Phrasierung jedoch leider weniger raffiniert als bei der "Geschichte vom Soldaten" vortrug. Ihre Reihe "Musikforum Gendarmenmarkt" dient der Eisler-Hochschule ja nicht nur zur Außendarstellung im benachbarten Konzerthaus, sondern auch zum guten Zweck der Unterstützung Studierender - eine substanziellere Programmgestaltung dürfte beidem nicht zum Nachteil gereichen.

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