Kultur : Teutonen-Reggae

NORBERT TEFELSKI

Um von "Pigor singt.Benedikt Eichhorn muß begleiten.Volumen 3" angetan zu sein, muß man die beiden vorangegangenen Shows nicht gesehen haben.In einer gewagt collagierten "Ouvertüre" faßt der Dandy am Gesangsmikro zusammen, "was bisher geschah".Und verspricht, daß diesmal alles anders sei: Das Inszenierungsmuster - rampengeiler Zyniker profiliert sich auf Kosten seines verklemmten Klimperkollegen - werde aufgegeben zugunsten einer "gleichberechtigten Partnerschaft".

Und Eichhorn nutzt die Gunst der Stunde.Klar, die friedliche Koexistenz steht auf tönernen Füßen, und zwar auf denen der Scheinselbständigkeit.Schein und Sein bestimmen auch einen musikalischen Höhepunkt des Abends: Auf der Basis von "Eigentlichkeit" und "Um-zu", irren Heideggersche Philosophiefitzelchen durch einen fulminanten Teutonen-Reggae.Die mittelfränkische Schnellfeuerschnauze schießt scharf wie eh und je, mit gewohnt arabesken Texten, etwa bei den zeitgemäß zeitsparenden "Shorties".Dieses neue Liedformat ermöglicht in rund einer Minute, ohne redundantes Refrain-Gedöns, allerlei Alltagsunbill satirisch zu kommentieren - vom ganz persönlichen Boris-Jelzin-Gefühl bis zum kleinen, aber tiefen Erleben im ICE.Was sich dort zwischen Großraumwagen und Schwerbehindertenabteil abspielt, darf nun in der Bar jeder Vernunft (bis 13.6., Mi-So 20.30 Uhr) genossen werden: Es lebe das Neokabarettchanson - mit Substanz und trotzdem lustig.

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