Kultur : "The 4th Floor": Würmer in der Badewanne

Frank Noack

Prinzipiell ist es zu begrüßen, wenn Filmemacher sich ungewöhnlicher Inspirationsquellen bedienen und längst vergessene Traditionen wieder beleben. Bei "Gladiator" und "Der Patriot" hat das zumindest funktioniert. Das Genre, das Josh Klausner mit seinem Langfilm-Debüt "The 4th Floor" wieder beleben will, ist spätestens mit dem Aufkommen der neuen Frauenbewegung ausgestorben. In der englischsprachigen Literatur nennt man dieses Subgenre frightened wife thriller: Thriller über hilflose Frauen, die - oft von ihrem eigenen Ehemann - in Angst und Schrecken versetzt und an den Rand des Wahnsinns getrieben werden. Klassiker des Genres wie "Gaslicht" mit Ingrid Bergman oder "Mitternachtsspitzen" mit Doris Day kann man sich noch heute ansehen, aber wir genießen diese Filme in dem Bewusstsein, dass sie aus einer anderen Zeit stammen.

"The 4th Floor" spielt in der heutigen Zeit, da liegt das Problem. Jane Emelin (Juliette Lewis) möchte nicht mit ihrem Freund Greg Harrison (William Hurt) zusammen, sondern vorerst allein leben. Durch den Tod der Tante ist eine Wohnung frei geworden, die sie umgehend bezieht. Als sie von einer Nachbarin terrorisiert wird, die sie nie zu sehen bekommt, und lauter Würmer ihre Badewanne bevölkern, gibt es für aufgeweckte Zuschauer nur zwei Erklärungen: Entweder ist das Haus verhext, oder der Lebensgefährte hat den ganzen Spuk organisiert, um Janes Halb-Single-Dasein zu beenden und sie in seine Arme zu treiben. Wenn das Rätsel gelöst wird, ist es schon völlig egal.

"The 4th Floor" ist niemals langweilig und stellenweise sogar aufregend: Auch ein paar schräge Nebenfiguren (darunter Shelley Duvall, die Protagonistin früher Robert-Altman-Filme) halten das Interesse wach. Doch viele Situationen sind hoffnungslos unglaubwürdig. Ob es das permanente Dämmerlicht in der Wohnung ist oder Janes Angewohnheit, mitten in der Nacht schwere Möbel zu rücken: Für einen Thriller der gehobenen Klasse weist "The 4th Floor" zu viele Fehler auf, und für einen Trash-Film ist er nicht schlecht genug. Schade um Juliette Lewis. Kaum hat diese hoch begabte Darstellerin ihre kindlichen Manierismen abgelegt, da zwingen ihr Drehbuch und Regie ein dümmliches Verhalten auf.

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