Kultur : "The 6th Day": Schöner klonen

Martin Schwickert

Arnold Schwarzenegger hat sich durch selbstlose Körperdeformation in die erste Liga der Hollywoodstars gestemmt. Seitdem fordert sein gebildeter Body die Drehbuchautoren zu immer neuen Experimenten heraus. In James Camerons "Terminator" stopfte man ihn komplett mit High-Tech-Schrott aus. Paul Verhoeven implantierte in "Total Recall" künstliche Erinnerungen in seinen Schädel, und als Proband für die erste In-Vitro-Fertilisation am Manneskörper musste der frühere Mr. Universum in Ivan Reitmans Komödie "Junior" sogar Schwangerschaft und Geburt vortäuschen.

Schwarzenegger ertrug all dies mit steirischem Stoizismus. Um ihn herum tobten kulturpessimistische Szenarien und Transgender-Visionen. Er aber blieb sogar im neunten Monat irgendwie immer er selbst - ein Markenartikel, der gerade durch seine Unbeweglichkeit für Kontinuität in schnellebiger Zeit bürgte.

Zu Beginn des Gen-Tech-Spektakel "The Sixth Day" durchsucht Schwarzenegger vorm Spiegel sein Gesicht nach neuen Falten und fragt seine Frau: "Findest Du, dass ich irgendwie verändert aussehe?". Diese Koketterie am Morgen ist die letzte Selbstvergewisserung vor einer neuen Bewährungsprobe. In einer nicht allzu fernen Zukunft lebt Adam Gibson samt zauberhafter Frau und reizender Tochter sein glückliches Familienleben. Die Zukunft das heißt: sprechende Kühlschränke, landesweites Tabakverbot, selbstnavigierende Autos und virtuelle Rechtsanwälte. Gentechnische Produkte gehören zum Konsumalltag. Das Klonen von Menschen steht zwar unter Strafe, aber die Weltmeere sind voll mit genetisch reproduziertem Lachs. Auch die Auferstehung von Haustieren ist ein weit verbreitetes Phänomen, und die Gen-Designer der Firma "RePet" fertigen Schoßhunde sogar passend zur Wohnzimmertapete an.

Adam Gibson steht solchen Verstößen gegen die Schöpfungsgeschichte mit instinktiver Skepsis gegenüber. Ein geklonter Hund kommt ihm nicht ins Haus, auch wenn es der kleinen Tochter das Herz brechen sollte. "I have a problem with the whole idea" erklärt Gibson dem konsternierten Verkäufer in unsynchronisierbarem Arnold-Englisch. Doch als der gelernte Hubschrauberpilot am Abend in den Schoß der Familie zurückkehren will, ist sein Platz schon besetzt. Ein geklontes Double feiert dort für ihn Geburtstag, und ein Schurkenkommando will dem wahren Adam ans Leder. Dahinter steckt das Komplott eines Gen-Industriellen, dessen Einzelheiten offensichtlich auch für die Protagonisten schwer zu begreifen sind. Zu Lande, zu Wasser und in der Luft kämpft Gibson darum, in sein eigenes Leben zurückkehren zu können. Und rettet die Welt vor dem gentechnischen GAU.

Bond-Regisseur Roger Spottiswoode setzt in "The 6th Day" auf bewährte Rezepte: auf Verfolgungsjagden in verspielten Science-Fiction-Kulissen, verschwenderische Festplatten-Effekte und die Unkaputtbarkeit seines Helden. Auch im genetischen Freilandversuch beweist sich Arnold als verlässliche Größe. Die Begegnung mit der eigenen Kopie übersteht er ohne therapeutischen Beistand. Für eine zünftige Identitätskrise bleibt im engen Action-Terminplan ohnehin keine Zeit. Damit verschenkt "The 6th Day" das Potenzial seiner Geschichte, aber sicher hat auch Spottiswoode geahnt, dass die schauspielerischen Ressourcen seines Helden begrenzt sind.

"But, what about God" ruft Arnold händeringend aus, als der Bösewicht im finalen Disput die Motivationen seines Tuns erläutert. Fast schon verzweifelt wirkt da sein Sprung ins Fruchtwasserbecken der illegalen Embryonenfabrik. Nachdem sein bleihaltiges Macho-Epos "End of Days" und die Weihnachtskomödie "Versprochen ist versprochen" an der Kasse nicht wirklich durchschlugen, zeigt sich Schwarzenegger nun als verantwortungsbewusster Kämpfer für die ganze Familie. In Amerika ist "The 6th Day" freigegeben ab 13 Jahren. Durchsiebt werden schließlich nur die Klone.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben