"The Basement" am Theater Strahl : Fremdschmerz

Nähe suchen und dem anderen dann doch weh tun: Das Tanzstück „The Basement“ am Jugendtheater Strahl thematisiert die Schwierigkeit zwischenmenschlichen Vertrauens. Das ist zuweilen nur schwer zu ertragen.

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Die Choreografie bringt die Tänzer an ihre Grenzen.
Die Choreografie bringt die Tänzer an ihre Grenzen.Foto: Theater Strahl

Da tut schon das Zuschauen weh. Sie laufen gegen Wände. Sie schlagen sich, schubsen sich. Sie fallen hin. Schreien, und stöhnen. Sie fügen sich gegenseitig Schmerzen zu, bekämpfen sich, weil sie sich nicht vertrauen können.

Das Tanztheaterstück „The Basement“ soll zeigen, was schiefläuft im menschlichen Zusammenleben. Und wenn man danach geht, was da auf der Bühne passiert, läuft mehr schief als richtig. Die Produktion, die am Dienstagabend Premiere in Berlin-Lichtenberg hatte, ist eine Kooperation der niederländischen Tanzcompany De Dansers und dem Jugendtheater Strahl. Und Choreografin Wies Merkx bringt die jungen Tänzer konsequent an ihre physischen Grenzen.

Über allem eine Schicht Staub

Schon der Titel, „The Basement“, also „der Keller“: Da denkt man einen dunklen Ort, an dem es feucht und ein wenig unheimlich ist. Eine gruselige Atmosphäre verströmt die Spielstätte, eine historische Turnhalle, freilich nicht. Trotzdem spiegelt der verlassene Ort die Einsamkeit wider, die die Protagonisten empfinden. Der Putz blättert langsam von den grauen Wänden, auf dem Boden sind nur noch undeutlich die Linien der einstigen Spielfelder zu erkennen. Über allem scheint eine Schicht Staub zu liegen.

Zaghaft machen die Tänzer den Versuch, aus ihrem selbst gebauten Gefängnis auszubrechen. Sie suchen die Nähe und Zuneigung der anderen. Kriechen zwischen zum O geformte Arme, wollen eine Umarmung. Bewegen ihren Kopf unter der Hand eines anderen – ein erzwungenes Streicheln. Doch diese Momente sind selten, sie bleiben nicht. Bald setzt es wieder Schläge, die parallel zur lauter werdenden Musik immer gewalttätiger ausfallen.

Die Grenzen zwischen Tanz und Musik sind fließend

Die Live-Musik der Band La Corneille komplettiert das Stück, gibt teilweise die Richtung vor – mal mit lautem Schlagzeuggewitter, mal mit einer sanften Singer-Songwriter-Ballade. Ab und zu legt Musiker Guy Corneille die Gitarre nieder und wird selbst zum Tänzer. Oder die Tänzerin Claire Lamothe stellt sich ans Mikrofon, um zu singen oder einfach nur laut hineinzuatmen. Die Grenzen sind fließend.

Die Songtexte von La Corneille unterstreichen die ambivalente Beziehung der Protagonisten. „I was in love with you / but I shot you down / and cut out your tongue“, singt Guy Corneille da. Sich nach dem anderen sehnen und ihm doch wehtun, sich lieben und den Partner trotzdem wegstoßen – aus Angst, selbst verletzt zu werden. „Jeder von uns kennt das Gefühl des ,Zumachens‘, und wie schwer es ist, darüber hinwegzukommen“, sagt Choreografin Merkx. „Ich möchte ein wenig Trost geben, indem ich die Auswirkungen von Wut und Kampf zeige.“

Eine Lösung bietet „The Basement“ aber nicht. Vielmehr ist das Stück die Beschreibung eines verstörenden Ist-Zustandes. Einer einsamen Welt voller Misstrauen, die nur schwer zu ertragen ist.

Strahl-Halle Ostkreuz, Marktstr. 9–12, Lichtenberg, wieder am 14., 15., 18., 19. Januar, 11 und 14 Uhr, sowie 19. Januar, 19 Uhr

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