Kultur : "The Buch - Leben am Pool": Nun kann man sie auch indoors lesen

Stephanie Wurster

"The Buch - Leben am Pool". Muss man den Titel noch erklären? Elke Naters und Sven Lager, die beiden Herausgeber dieser Anthologie finden nicht. Eingeweihte wissen ohnehin, dass es sich um Texte handelt, die in Zusammenhang mit der Internetseite "Pool" ( www.ampool.de ) entstanden sind, ebenfalls ein Projekt von Naters und Lager. "Pool" war eine Art öffentliches Tagebuch der pop-assoziierten Schreiber, Journalisten und Künstler - eine auch wegen seinem mittlerweile outgesourcten Gästebuch "Loop" lesenswerte Seite.

Verglichen mit Thomas Hettches "NULL" ( www.dumontverlag.de/null ) und dem "Forum der 13" ( www.forum-der-13.de ), zwei ebenfalls gegenwartsliterarischen Netzseiten, war "Pool" eher unstrukturiert, diskussionsunwillig - und hatte das bessere Layout. "Ich will die Oberfläche darstellen", sagte Naters 1999, "denn es gibt keinen Weg von der Oberfläche weg." Und so plätscherte "Pool" vor sich hin, scheinbar auf unbestimmte Zeit, bis am 4. Juni, nach genau zwei Jahren, das Wasser abgedreht wurde. Zwei Wochen vorher war "The Buch" erschienen, das Printprodukt.

Dabei ist die Vergänglichkeit und Flexibilität der Texte gerade Intention von Literatur im Internet: eben kein Buch machen und die Verlagswirtschaft mal links liegen lassen. Dazu passt, was Sven Lager im Literarischen Colloquium als Statement verlas: "Der tatsächliche Muff aber der Schöngeistigkeit, der der Literatur anhaftet, dann das lange Warten auf das Erscheinen unserer Bücher und das trotzdem immer weiter Schreibenwollen, Daseinwollen, der Wunsch als Schriftsteller den Prozess des Schreibens öffentlich machen zu können, all das brachte uns auf die Idee zu pool."

Nach einer Einleitung, einem Inhaltsverzeichnis oder einem Nachwort sucht man bei "The Buch" vergeblich. Texte und Bilder folgen hart aufeinander, zu beliebigen Alltagsthemen. Sprache, das wird schnell klar, ist jedenfalls nicht das Thema. Es wird erzählt - bei so vielen Autoren in unterschiedlicher Weise natürlich, und in unterschiedlichen Qualitäten. Wie bei anderer Pop-Literatur verblüfft immer wieder einmal die Unverfrorenheit, mit der gute neben schlechte Texte gestellt werden. Für "The Buch" hatten Naters und Lager Autoren zum Mitschreiben eingeladen, die sich in den Netzseiten "Pool" und "Loop" mit formatgerechten Texten bewährt hatten - darunter sind bekannte Schreiber wie Helmut Krausser, Andreas Neumeister und Moritz von Uslar, aber auch Neuentdeckungen wie Britta Höper oder Kathrin Glosch. Ein Thema war den Autoren nicht vorgegeben, die kurzen Texte konnten frei angedockt werden. Diese Art des indirekten Antwortens kennt man aus "Pool" - insofern ist "The Buch" auch die Antwort aller beteiligten Autoren auf die leidige Frage nach dem Charakter der Netzliteratur. Ist das schon alles?

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