The Cure : Punk, Pop und Poesie

Wie kaum eine andere Band prägten die Engländer The Cure den Punk- und New Wave-Sound der Achtziger. "4:13 Dream" ist bereits ihr 13. Album und eine Klangcollage der Bandgeschichte.

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"The Cure"- Frontmann Robert Smith während eines Konzerts im spanischen Valencia. Foto: -dpa

Mit dezent angelooptem 80er-Jahre-Gitarrensound melden sich "The Cure" nach längerer Pause in den CD-Regalen zurück. "4:13 Dream" heißt das gerade erschienene 13. Album des britischen Quartetts um Frontmann Robert Smith, der inmitten all der schlaksigen Britpop-Jünglinge seit drei Jahrzehnten den Vertreter bleicher Pummeligkeit gibt und dessen kultiviert artikulierende Stimme das wohl charakteristischste Element des Gruppenklangs ist. Mittlerweile kurz vor seinem 50. Geburtstag, kann Smith immer noch so herzverwundet schluchzen wie 1979, als er den Ohrwurm "Boys Don't Cry" aufnahm.

Vertonte Bandgeschichte

Eingängig sind auch die meisten der 13 neuen Songs auf "4:13 Dream". Der erste Track überrascht allerdings mit psychedelisch zerdehntem Rhythmus und sphärischen Elektroakkorden: "Underneath the Stars" feiert sechs Minuten lang einen beinahe mystischen Moment spiritueller Zweisamkeit, bevor das folgende "The Only One" an den unbeschwerten Pop anknüpft, mit dem "The Cure" ihren größten Erfolg hatten: Glockenhelle Gitarrenriffs umspielen Smiths Gesang, der bei den Details körperlicher Liebe gerne lasziv ins Falsett kippt.

Und so geht es weiter durch die Geschichte der Band, die mit depressiv düsterem Punk und Soft-Gothic ("Killing an Arab") begann, später in den Mainstream einschwenkte und bis heute Einfluss auf manch jüngere Musiker hat. "The Reason Why" ist der dumpf untermalte, sich dramatisch steigernde Rollensong eines Selbstmörders, "Freakshow" ein erotischer Alptraum aus sägezahn-scharfen Saitenklängen, "Sirensong" eine Ballade mit schmachtender Slide-Gitarre. Vorab als Singles ausgekoppelt, hatten einige in diesem Jahr in den USA durchaus Chart-Erfolg.

Weniger Drama

Trotz Smiths anhaltender Vorliebe für schwarze Kleidung und dunklem Make-up haben "The Cure" die Gruftigkeit ihrer Anfangstage hinter sich gelassen. Aber sonst wirkt "4:13 Dream" wie eine Bilanz der musikalischen Entwicklung der Band. So fügt sich auch ein Song wie "Sleep When I'm Dead" - er basiert nach Smiths eigenen Aussagen auf einer Idee von 1985 - bruchlos in die neueren Kompositionen ein. Für klangliche Konstanz sorgt auch  der Line-up. Mit Smith (Gitarre, Keyboards) und dem zweiten Gitarristen Porl Thompson ist die Melodiegruppe von 2008 dieselbe wie die des Gründungsjahrs 1976. Nicht ganz so lange dabei sind Bassist Simon Gallup (seit 1985) und Schlagzeuger Jason Cooper (seit 1995).

Bilanz heißt allerdings nicht Schluss-Strich. Glaubt man der Plattenfirma Universal, so planen "The Cure" schon ein - allerdings wieder etwas düstereres - Nachfolgealbum. Von der Bühne ist das Quartett auch noch nicht abgetreten. Im Frühjahr gab die Band vier Deutschland-Konzerte, die allesamt ausverkauft waren. (yr/dpa)

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