Kultur : "The Dish": Mann vom Mond

Frank Noack

Tom Kummer war nicht der Erste, der Gespräche mit wichtigen Persönlichkeiten erfunden hat. Im Juli 1969, anlässlich der Landung von Neil Armstrong auf dem Mond, schwindelten australische Techniker, was das Zeug hielt. Und das kam so: Die Landung der "Apollo 11" ließ sich nur von einer Teleskopantenne in dem australischen Städtchen Parkes weltweit übertragen. Dessen Einwohner waren ganz aus dem Häuschen und empfingen den US-Botschafter bei sich, um ihn mit den neuesten Nachrichten vom Mond zu versorgen. Dann spielte die Natur verrückt. Es kam zu einem Kurzschluss. Der Kontakt zur "Apollo 11" war unterbrochen. Um die Katastrophe geheim zu halten, schlüpfte einer der Techniker in die Rolle von Neil Armstrong, um die Weltöffentlichkeit zu grüßen. In der allgemeinen Euphorie hat niemand den Schwindel bemerkt.

Man mag "The Dish", der in seiner australischen Heimat einer der größten nationalen Kassenschlager wurde, vorwerfen, dass er zu nett, zu harmlos geraten ist. Aber der von Rob Sitch inszenierte Film unterscheidet sich wohltuend von US-Produktionen wie "Apollo 13" mit Tom Hanks. Statt unreflektiertem Heroismus bietet er skurrilen Humor, den man eher mit dem britischen Kino assoziiert. Die Männer, die die Antenne bedienen, sind keine Helden, sondern schusselige Hobby-Techniker. Und als auf einem Empfang zu Ehren des US-Botschafters die amerikanische Nationalhymne gespielt werden soll, ertönt die Titelmelodie aus der Serie "Hawaii 5-0".

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