The Human League im Huxleys : Popper in Pose

Ein Fest der Guten Laune: The Human League spielen ihre Elektropophits aus den Achtzigern im ausverkauften Huxleys in Berlin.

Volker Lüke
Phil Oakey
Ledrig. Phil Oakey, 61, der Frontmann von The Human League.Foto: imago/Martin Müller

Hübsch wäre jetzt eine „Mannequin Challenge“, dieser neue Trend in den sozialen Netzwerken, bei dem alle in witziger Pose stillstehen wie Schaufensterpuppen: Überall verzückte Gesichter, eingefrorene Tanzmoves, die Arme hoch zum Jubel für The Human League, die im ausverkauften Huxleys in Berlin auf der Bühne stehen und den Augenblick des Triumphs genießen.

Dabei ist der Respekt, der den Elektropoppern aus Sheffield entgegengebracht wird, heute nicht mehr so selbstverständlich und tief empfunden wie vor 35 Jahren, als die Band auf dem Dach der Welt stand und den Sound der Achtziger prägte wie nur wenige andere. Bereits 1980 hatten die Bandgründer und späteren Heaven-17-Macher Martyn Ware und Ian Craig Marsh die Band im Streit mit ihrem Sänger Philip Oakey verlassen. Der hatte daraufhin die irre Idee, mit zwei Teenager-Mädchen, die er in einem Nachtclub aufgabelte, den Verlust der Hauptsongwriter zu ersetzen, was erstaunlicherweise dazu führte, das aus den Pionieren der synthetischen Klänge, die 1979 von David Bowie als „Sound der Zukunft“ bezeichnet wurden, ein vollverchromtes Hochglanz-Pop-Phänomen wurde, das mit einer fröhlichen Mischung aus Kraftwerk und Abba die Hitparaden stürmte.

Ein schmaler Android mit Glatze

In den Neunzigern wurde es etwas still um die Band, die sich immerhin einen der vordersten Plätze im Dudelfunk sichern konnte und im Zuge des Achtziger-Revivals 1995 ein kleines Comeback mit dem Album „Octopus“ hatte. Dass ihr letztes Album „Credo“ von 2011 hart ins Clubsound-Territorium hineinlappt und es seitdem nichts Neues gab, schadet dem aktuellen Auftritt aber ebenso wenig wie die Tatsache, dass Oakey (der seit 1997 das Gefühl hat, „dass die Zeit wieder rückwärts läuft“) mittlerweile seine stylischen Haare verloren hat (ein Popper-Schicksal!) und damit noch unnatürlicher wirkt als je zuvor: Ein schmaler Android mit Glatze und grauem Kinnbart, der im ärmellosen Lederkurzmantel roboterhaft über die Bühne stolpert und sich gekonnt in Pose wirft.

Flankiert von der blonden Susan Ann Sulley und der brünetten Joanne Catherall präsentiert sich der 61-jährige Sänger mit einem unwiderstehlichen human touch als strahlender Unterhalter, während drei Herren in dunklen Anzügen mit wummernden Keyboards im weißen Science-Fiction-Look und dem artifiziellen Sound des E-Schlagzeugs eine sprühende Achtziger-Jahre-Kulisse bauen. 80 Minuten dauert der frische Gig. Dabei läuft die Zeit gar nicht rückwärts, sondern steht einfach still, wenn The Human League mit Dauerbrennern wie „Don’t You Want Me“ ein rollendes Greatest-Hits-Fest der guten Laune lostreten. Volker Lüke

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