"The Interview" soll nun doch gezeigt werden : Nordkorea sei Dank

Das Filmstudio Sony veröffentlicht "The Interview" nun doch. Was zunächst ein großes PR-Desaster zu werden drohte, könnte nun noch mit einem großen kommerziellen Erfolg enden.

Mattes Lammert
"Interview"-Filmplakate. Vielleicht wird's ja doch noch was mit dem Erfolg.
"Interview"-Filmplakate. Vielleicht wird's ja doch noch was mit dem Erfolg.Foto: AFP

Auch wenn der letzte Teil der "Hobbit"-Trilogie an den Kinokassen gerade alle Rekorde bricht, ist in diesen Tagen mehr von einem anderen aktuellen Film die Rede, der Politsatire "The Interview" über ein Mordkomplott der CIA gegen Nordkoreas Staatsoberhaupt Kim Jong Un. Ein Film, den bis auf ein paar Journalisten bisher kaum jemand gesehen und dessen für Weihnachten geplanter Kinostart Sony Pictures gecancelt hat. Was zunächst ein großes PR-Desaster für das Filmstudio zu werden drohte, könnte nun aber doch noch mit einem großen kommerziellen Erfolg enden.

Empörung gegen Sonys Entscheidung

Wie berichtet, hatten Hacker die Veröffentlichung des Films zu verhindern versucht und mit Anschlägen auf all jene Kinos gedroht, die den Film trotz Protesten zeigen würden. Außerdem hatten (dieselben oder andere) Hacker bereits im November geleakte Daten der Firma im Internet veröffentlicht, darunter Mails der Führungsebene, um Sony unter Druck zu setzen. Dass der Konzern kapitulierte und "The Interview" letzte Woche komplett zurückzog, löste allerdings eine Welle der Empörung aus, national wie international.

Zwar gibt es für die US-Regierung mittlerweile keinen Zweifel mehr daran, dass Nordkorea selbst hinter den Cyberangriffen steckt. Gleichzeitig warnte Präsident Barack Obama jedoch höchstpersönlich vor einer Einschränkung der Meinungsfreiheit: "Wir können nicht in einer Gesellschaft leben, in der irgendein Diktator irgendwo anfängt, in den USA Zensur auszuüben." Obama kritisierte Sony sogar direkt, indem er die Absage des Filmstarts als "Fehler" bezeichnete.

Absage der Absage

Nun bemüht sich Sony um Schadensbegrenzung und will von einer endgültigen Absage plötzlich nichts mehr wissen. Über seinen Anwalt David Boies ließ das Filmstudio den Rückzug vom Rückzug verkünden: "Sony hat darum gekämpft, diesen Film zu verbreiten, und er wird verbreitet werden. Wie das passieren wird, wissen wir noch nicht, aber er wird verbreitet werden."

Wann immer das sein mag, die weltweite Aufmerksamkeit dürfte Sony sicher sein. Wer möchte schon den Film verpassen, der Kim Jong Un möglicherweise so erbost hat, dass er eine Armee von Hackern erfolgreich auf den Westen losließ? Ein Werbeeffekt, der kaum mit Geld aufzuwiegen ist, egal ob "The Interview" als DVD oder über Video-on-Demand-Plattformen wie Netflix verbreitet wird. Auch eine Veröffentlichung über die eigene Online-Videothek Crackle hätte ihre Vorteile: als PR-Maßnahme für eine Plattform, die Sony seit Jahren vergeblich zu etablieren versucht.

Der Werbeeffekt ist unbezahlbar

Selbst wenn der Film voraussichtlich nie im Kino zu sehen sein wird, könnten sich die 44 Millionen Dollar Herstellungskosten für Sony so noch als gut angelegtes Geld erweisen. Die Tatsache, dass es bisher kaum stichhaltige Beweise für eine Beteiligung Nordkoreas gibt, wird dabei gerne ignoriert. Denn auch die besten Marketingexperten Hollywoods hätten sich keine bessere Vermarktungsstrategie ausdenken können. Ein Angebot des Bestsellerautors Paulo Coelho, die "The Interview"-Rechte für 100.000 Dollar zu kaufen und den Film auf seinem Blog kostenlos zu veröffentlichen, ließ der Konzern jedenfalls verstreichen.

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