Kultur : "The Ladies Ratpack" in der Bar jeder Vernunft

Ulrich Amling

Was bleibt von den Show-Stars, wenn der letzte Vorhang sich über die Bühne des Lebens gesenkt hat? Songs, Filme, Plakate - und manchmal auch Nachkommen, von deren Existenz die Nachwelt bislang noch keine Notiz genommen hat. Wer will sie zählen, die Kinder, die die notorische Drogen- und Frauenkonsumenten Frank Sinatra, Dean Martin und Sammy Davis Junior bei ihren legendären Las-Vegas-Parties ins Leben brachten. Gut 30 Jahre nach der großen Sause des "Ratpacks" tauchen des Nachts drei Damen in der Bar jeder Vernunft auf, die in den Glamour-Giganten ihre Erzeuger sehen. Leider haben Franka Chianti (Christine Rothacker), Tini Martini (Nicole Neiss) und Annie Davis (Lynne Williams) vor allem das mitbekommen, was ihre Väter uns auf der Bühne gnädigerweise vorenthielten: Neurosen pur. Koks rieselt, Whisky schwappt, und die Augen rollen. Dass diese Ladies einen kräftigen Knacks haben, erkennt man auch ohne ihre Anstalts-Bademäntel, deren Gürtel wie Nabelschnüre miteinander verknotet sind. Was auch immer das Problem der "traumatisierten Töchter" sein mag - Scheu vor der Bühne ist es nicht. Deftig eiern die drei zwischen Selbstmitleid ("Danke für die starke Leber und das schwache Rückgrat") und kleinen Frechheiten. "Lasst sie aussingen. Das ist kein Harald-Juhnke-Konzert", wird die farbige Annie dem Publikum angekündigt, nebenbei gibt man der Berliner Kultur wertvolle Tipps. "Was diese Stadt nicht braucht, ist ein Musical über einen koksenden Schlagerstar." Doch wenn "Falco" kommt, wird "The Ladies Ratpack" längst vergessen sein. Trotz schöner Stimmen - wenn denn mal gesungen wird - lassen die drei Nachgeborenen vor allem eines schmerzlich vermissen: Charme. Was auch immer nach den Stars kommt - es kann uns Schnuppe sein.Wieder am 5. / 6.Mai, 23.30 Uhr

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