Kultur : The Mistress Of Silence: Theater: Sie und sonst gar nichts

Grit Thönnissen

The Mistress Of Silence ist ein dunkles, ein sehr dunkles Stück. Nur eine Person agiert auf der abgeschrägten Bühnenfläche des englischen Theaters Friends Of Italian Opera. Es scheint so, dass die Kindfrau Child das letzte noch existierende Lebewesen auf einem leeren Planeten ist. Gina Moxley spielt sich in der Inzenierung des Meridian Theatre aus Cork sehr nah an die Zuschauer heran, unterstützt von der ausgefeilten Musik- und Lichtchoreografie. Child erzählt aus der Zeit, in der sie mit 39 Frauen in einem Bunker unter der Erde eingesperrt war - keine weiß warum. Child ist anders als die anderen Frauen. Sie hat nie ein Leben außerhalb des Bunkers kennen gelernt. Sie ist immun gegen die Sinnlosigkeit und die Schrecken des Bunkerlebens. Zweimal am Tag bringen Wächter Essen, die Frauen werden geschlagen oder ignoriert, alles ohne eine Erklärung. Eines Tages entdeckt Child die Zeit. Wie besessen zählt sie nun alles: ihre Herzschläge, Schritte, Tage, das Kommen und Gehen der Wächter. Dann auch das: Ohne Ankündigung steht die Luke des Bunkers offen, und die Gefangenen können hinauf an die Oberfläche. Der Zuschauer erfährt das alles von Child, die anderen Frauen sind tot - ob Child sie umgebracht hat? Wenn sich Gina Moxley windet, sucht, schreit und in die Rollen ihrer Gefährtinnen hineinschlüpft, nimmt sie die Zuschauer mit auf ihrer Suche nach etwas, was sie nicht kennt, aber vielleicht ihrem Menschsein Sinn geben könnte. Das Sujet ist nicht neu, die Endzeitvision, die Auseinandersetzung mit dem endgültigen Alleinsein - man ahnt von Anfang an, dass Child das Glück nicht finden wird. So wird die Spannung auch nicht durch die Handlung erzeugt, sondern durch die Art, wie Gina Moxley sich als Child auf ihr Ende hinbewegt.

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