Kultur : The Prodigy

Diese Woche auf Platz 16 mit: „always outnumbered, never outgunned“

Ralph Geisenhanslüke

Demnächst gibt es im Fernsehen Neunzigerjahre-Shows. Darin sollte man zwingend alte Videos von The Prodigy zeigen. The Prodigy repräsentieren den Endpunkt einer Entwicklung die bestimmend war für dieses Jahrzehnt: elektronisch produzierte Tanzmusik, auch Techno genannt. Ihr erster Erfolg, 1994, hieß „Music For The Jilted Generation“. Also: Musik für die im Stich gelassene Generation. Im Stich gelassen haben The Prodigy hauptsächlich ihre Gehirne – durch exzessive Freizeitgewohnheiten. Das hat den Erfolg nicht behindert. Klangbastler Liam Howlett, angeblich getrieben von der „ewigen Suche nach dem Monster- Beat“ gelang 1997 mit dem Album „The Fat Of The Land“ das bislang meistverkaufte in England. Monströs wurden The Prodigy in jeder Hinsicht. Sie traten vor bis zu 250000 Zuschauern auf. Es war die Zeit des so genannten Big Beat, einer Techno-Spielart, die fast nur noch aus Stadiongestampfe für komatöse Biertrinker bestand. Ähnlich wie Techno insgesamt. Als die Party vorbei war, verfielen The Prodigy in künstlerischen Stupor. Sechs Jahre lang. Nun hat Howlett einen neuen Anlauf gewagt, und alles allein auf dem Laptop komponiert. Nur dreimal so krass. The Prodigy klingen nun wie ein Pentium-IV-Prozessor auf schlechtem Speed. Vielleicht das akustische Pendant zur Idee einer Neunzigerjahre-Show.

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