Kultur : "The Score": Der letzte Coup

Gregor Dotzauer

Robert De Niro. Edward Norton. Marlon Brando. Drei Stars, ein Thriller. Eine klare Sache also. Nick, der alternde Meisterdieb, der aufhören will und sich auf einen letzten Job einlässt. Jack, der junge Crack, der mit Nicks Hilfe und Erfahrung den Coup seines Lebens landen will. Und Max, der Hehler, der die beiden zusammenbringt.

Es ist sogar eine viel zu klare Sache, wenn man ihr nicht noch ein Geheimnis einhaucht, das über den puren Schauwert hinaus zu etwas führt. Was Frank Oz, den komödiengewöhnten Regisseur von "The Score" aber bewegt hat, sich das Thrillergenre zu erobern, bleibt offen. Jeder der drei großen Stars macht im Grunde, was er immer macht - in der Hoffnung, dass aus der Summe der Markenzeichen etwas Außergewöhnliches entsteht. De Niros Gewitzheit. Nortons verschlagene Intelligenz mit ihrem Hang zur virtuosen Verstellung (Hier schleicht sich Norton, um den Ort des geplanten Raubes zu erkunden, als spastischer Hilfsputzmann ein). Und Brandos in seiner trägen Leibesfülle untergehende Wachheit mit der hohen Stimme, die so gar nicht nicht zu diesem Ungetüm zu passen scheint: Ein Koloss, der beim kleinsten Schritt lebensgefährlich zu schnaufen beginnt. Kein Mensch erwartet von Thrillern neue Plots. Aber man möchte sie zumindest so erzählt bekommen, als würde man sie zum ersten Mal sehen. Man möchte etwas von der Müdigkeit spüren, mit der De Niro seinem Geschäft nachgeht, das er einer Frau zuliebe aufgeben will, und von der Konkurrenz mit dem Jüngeren. Aber dann bleibt alles eine reine Behauptung, und die wunderbare Angela Bassett ist in den wenigen Minuten, die sie hat, nicht mehr als ein hübsches love interest.

Oder man möchte etwas von De Niros Faszination für den Jazzclub sehen, dem er den Rest seines Lebens widmen will. Aber dann ist die schönste Frau des Films, die schwarze Jazzsängerin Cassandra Wilson, höchstens zwei Minuten zu sehen - und das nur, um zu beweisen, was De Niro angeblich umtreibt. Oder man möchte mehr von dem eigentümlichen, europäisch anmutenden Flair von Montreal aufsaugen, wo die Geschichte spielt, und verstehen, welche atmosphärischen Besonderheiten dazu geführt haben, den Film in Quebec zu drehen, mit ein paar hingedrechselten frankokanadischen Brocken. Und man muss erkennen, dass es letztlich keine Rolle spielt, dass De Niro und Norton ausgerechnet aus dem Montrealer Zollhaus ein wertvolles Zepter klauen.

"The Score" hat zu viel von allem und interessiert sich in seiner braven Glätte für nichts wirklich. Das kann auch das Ergebnis des Produktionsprozesses sein. Denn der Film beruht auf einer Story von Daniel E. Taylor, an der anschließend gleich drei Drehbuchautoren herumgeschrieben haben. Vielleicht ist "The Score" auch am Schneidetisch zurechtgestutzt worden. Aber wer will das wissen? Irgendwann, in nicht allzu ferner Zukunft, wäre es schön, De Niro, der sich einmal die Seele aus dem Leib gespielt hat, in seinem letzten Job als Schauspieler zu erleben - in dem einen, in dem er sich zum letzten Mal beweist. Die Jungen - soviel zumindest muss er von den Dreharbeiten zu "The Score" mitgenommen haben - schlafen nicht.

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