Kultur : "The Wolves of Kromer": Die mit den Wölfen tanzen

Nicholas Körber

"The Wolves of Kromer" erzählt ein Märchen. Und zwar eines mit einer Moral von der Geschicht. Dafür greift Will Goulds Erstling auf die Analogisierung von Wölfen und sexueller Versuchung zurück - vielfach erprobt in Mythen und Märchen. Anders als dort steht das Wölfische hier aber nicht allgemein für das Triebhafte und Wilde, sondern für die Homosexualität.

Die wölfischen Jünglinge Gabriel und Seth (James Layton und Lee Williams) haben sich aus der Stadt zurückgezogen und campieren in der Wildnis, die hier als Sinnbild einer schwulen Subkultur fungiert. In dieser Welt aus promiskuitiven Strandparties, Cruising und Eifersuchtsdramen entwickelt sich zwischen Gabriel und Seth eine Liebesbeziehung. Währenddessen trachten in dem kleinen Ort Kromer zwei hexengleiche Dienstbotinnen ihrer Herrin nach dem Leben. Die beiden ebenso bigotten wie boshaften Weiber stellen mit ihren verrunzelten und ständig verzerrten Gesichtern den Gegenpol zur jugendlichen Schönheit der Wölfe dar. Als sie den Mordverdacht auf die Wölfe lenken, ist der örtliche Pfarrer nur allzu gern bereit, vom Hirten zum Jäger zu werden. Denn "die Wölfe bedrohen die Ehe, und die Ehe ist die Reflexion Gottes auf Erden". Im religiösen Furor des Pfarrers hat der Film denn auch sein eigentliches Feindbild. Während des Abspanns tanzen die Wölfe gemeinsam mit dem Mordopfer zu Norman Greenbaums "Spirit in The Sky". Ein Bild himmlischer Eintracht - und ein Protest gegen den Ausschluss Homosexueller aus der Kirche.

Die Idee von Autor und Produzent Charles Lambert ist originell: Der Umstand, dass Homosexuelle an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden, die ihnen die Natürlichkeit abspricht, wird hier auf die Spitze getrieben. Die Schwulen leben im Wald und werden von den "Menschen" als Bedrohung ihrer Zivilisation betrachtet. Warum dieser Ausgangspunkt aber als Märchen umgesetzt wurde, bleibt unklar. Anders als bei Neil Jordans zauberhafter Rotkäppchenbearbeitung "Zeit der Wölfe" erscheint diese Form hier nur als Gag, der mit der erzählten Geschichte wenig zu tun hat. Regisseur Gould konnte sich offenbar nicht entscheiden, welches Genre er eigentlich bedienen will - Satire, Kriminalkomödie oder Märchen? Das sparsame Budget tut ein Übriges: Wolfsmenschen mit gespitzten Ohren und Pelzmänteln wirken wie eine Persiflage. Durch diesen Crossover entsteht so der Eindruck, der Film nehme sich selbst nicht ernst: kein sehr geeigneter Rahmen für ein Werk, das ein politisches Pamphlet sein will.

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