Theater an der Parkaue : Liebeskummer

„Irrungen, Wirrungen“ - eine Bühnenfassung von Fontanes Roman ist im Theater an der Parkaue zu sehen.

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Stubenhocker. Beklommenheit auf der Beziehungscouch.Foto: 360-Berlin/Simon Bruun-Fals

Einen Sommer lang darf die Liebe dauern – dann muss wieder Ordnung her, auch wenn ein Stückchen Leben daran hängen bleibt. Baron Botho von Rienäcker und die Wäscherin Lene Nimptsch können nicht zusammenbleiben. Mitte der siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts hat ihre traumhaft poesievolle und ganz und gar offene, freie Beziehung keine Chance. Theodor Fontane erzählt das in seinem 1887 erschienenen Roman „Irrungen, Wirrungen“ sehr behutsam, ohne dramatische Zuspitzung, als eine Bestandsaufnahme gesellschaftlicher Verhältnisse, die so sind wie sie sind. Im Theater an der Parkaue hat Sascha Bunge eine eigene Fassung des knappen Textes auf die Bühne gebracht, für die Generation 16 plus. Er lässt den jungen Zuschauern im großen Saal Zeit, sich in die Geschichte zu finden, beginnt in epischer Behaglichkeit, hört der eigentümlichen, schwerelosen Melodie dieser erwachenden und dann so glückverheißenden Liebe aufmerksam zu. Lange wird forsch Unterhaltsames zurückgehalten. Doch dann verschärft Bunge den Ton, stellt die Tollheiten des preußischen Militäradels groß heraus, scheut sich nicht vor grellen Konflikten zwischen der Ruhe, dem Ernst, der inneren Sicherheit eines großen Gefühls und dem äußerlichen Klamauk einer gelangweilten Offiziers-Clique mit ihren verkrampften Ritualen.

Im zweiten Teil kommen dann auch Video-Sequenzen in furioser Gleichzeitigkeit zwischen sinnentleertem Geplapper und frustriertem Besäufnis auf die Bühne – und Lene, längst verabschiedet, darf (anders als im Roman) als wundersam schöne Traumerscheinung noch einmal auftreten. Gespielt wird das ganz schlicht, ohne Sentimentalität in einem Bühnenbild fast ohne Mobiliar, geschickt gegliedert durch lange Vorhänge (Bühne/Kostüme: Angelika Wedde). Corinna Mühle verleiht der Lene einen Liebreiz ganz eigener, fester Art, Stefan Faupel dem Baron etwas Abwartend-Zögerliches. Deutlich wird: Diese Liebenden bleiben Außenseiter, passen nicht in die Welt, in der sie leben müssen. Beim jungen Publikum kam die Geschichte von fernher staunenswert gut an. Christoph Funke

Weitere Vorstellungen vom 10. bis 12. März.

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