Theater : Die ganze Welt ein Krankenhaus - Petras-Uraufführung

Bei der Premiere im Frankfurter Schauspiel am Sonntagabend zeigten sich die meisten der 200 Zuschauer angerührt.

Frankfurt/Main - Es endet mit einem Lächeln - das einzige in knapp zwei Stunden und selbst das ist zu einem Grinsen verzerrt. Das neue Stück von Fritz Kater alias Armin Petras, «abalon, one nite in bangkok», erzählt von Fremde und Dreck, von Tod und Schuld.

Wie in früheren Stücken widmet sich Petras den Außenseitern und Gescheiterten. Im Zentrum stehen zwei Brüder: Der jüngere, Abalon, lebt als Comic-Zeichner in Bangkok («Abalon wartet auf etwas, er weiß nicht worauf»). Der ältere, ehemals UN-Soldat in Afrika und stets nur «Bruder» genannt, kommt überraschend aus Deutschland zu Besuch. Zwei thailändische Schwestern, Lin und Mia, geben sich ihnen hin. Doch wirkliche Beziehung entsteht nicht, Gespräche - auf Deutsch, Chinesisch und Englisch - bleiben bruchstückhaft.

«Eigentlich willst du nur irgendwas tun, damit du fühlst, dass du noch lebst», lässt Petras seine Protagonisten sagen. Spotartig bindet Regisseur Peter Kastenmüller die Szenen zusammen, immer wieder blitzen Videoclips auf, dröhnt Musik durch den Saal. Durch engmaschige Netze, wie durch Schleier, werden die Zuschauer Zeugen einer Nacht im Dämmerlicht, die blutig endet.

«Das Stück formuliert sehr atmosphärisch die Hoffnungslosigkeit, der eigenen Misere zu entfliehen», sagt Schauspiel-Intendantin Elisabeth Schweeger über die Neuproduktion. «Man flieht, um sich selbst zu treffen.» Sie sei überzeugt, dass das Stück Menschen anziehen kann, zumal es «wie ein Märchen erzählt» sei, sagt Schweeger mit Blick auf die Figur des Drachen, der durch den Abend führt.

Das Petras-Stück, zugleich Auftakt der diesjährigen Kulturinitiative «Frankfurter Positionen», ist eine Koproduktion mit dem Nationaltheater Taipeh: Die Darstellerinnen von Lin und Mia stammen aus der taiwanesischen Hauptstadt. Im Herbst 2006 soll die Produktion auch dort aufgeführt werden.

Taiwans Repräsentant in Deutschland, Prof. Jhy-Wey Shieh, äußert sich nach der Uraufführung begeistert: «Der Autor zeigt, dass der Mensch an sich ein Problem ist, ob in Deutschland oder in Asien - und das hat er gut rübergebracht.» Im Stück werde überzeugend der «Gegensatz zwischen Leben und Vergnügen durch Thailand symbolisiert».

So fern und doch so nah: «Das Stück spielt in Hongkong, Jakarta, Bangkok, Taipeh oder so», erfahren die Zuschauer per Videoprojektion. Gegen Ende leuchtet sogar das Wort «Frankfurt» auf. «Wer in den Flughäfen sitzt, will doch auch weg aus dem eigenen Leben; immer mehr sitzen da», heißt es in «abalon, one nite in bangkok» und: «Die ganze Welt ein Krankenhaus». (Jörn Bender, dpa)

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