Theater : Elfriede Jelineks "Ulrike Maria Stuart" wird uraufgeführt

Das neue Stück der Dramatikerin und Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek befasst sich mit den beiden führenden Frauen der Rote Armee Fraktion (RAF) der 70er Jahre, Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin.

Hamburg - Das Drama "Ulrike Maria Stuart" wird am Samstag am Hamburger Thalia Theater uraufgeführt. In dem Stück geht es um Frauen, die das Schicksal verbindet - ähnlich wie bei Maria Stuart und Elisabeth von England im 16. Jahrhundert, und um weibliche Macht. Während die Königinnen von Geblüt diese besaßen, hätten die RAF-Frauen Gewalt benötigt, um diese zu gewinnen, hieß es dazu vom Theater.

Ulrike Meinhof/Maria Stuart und Gudrun Ensslin/Elisabeth fechten einen Zweikampf aus. Jelinek schaffe aus der Sprache Schillers, zeitgeschichtlichen Anspielungen und Zitaten aus der Zeit des "Deutschen Herbstes" ein sprachlich dichtes Geflecht, in dem sich Erotik und Politik durchdringen, teilte das Theater mit. Auf erschreckende Weise, aber auch komisch bis ins Groteske, ringen die Rivalinnen um die Macht und den Geliebten Andreas Baader/Leicester, bis sie, wie Elfriede Jelinek schreibt, "mit sich selber den Boden aufwischen, auf dem sie nicht stehen können, denn sogar der ist ja schief, sie krallen sich an, fallen aber doch immer wieder runter und werden im Lauf der Handlung nicht reiner, sondern dreckiger."

Das Stück war im Vorfeld von der Journalistin und Tochter von Ulrike Meinhoff, Bettina Röhl, heftig kritisiert worden. "Jelinek zerrt Meinhof als Mutter auf die Bühne und in diesem Zusammenhang auch die real lebenden Menschen in Gestalt von meiner Schwester und mir. Was Jelinek über Mutter Meinhof liefert, ist historisch, faktisch, wenn ich es so positiv als möglich ausdrücken darf, ein einziger Schmarrn", sagte Röhl dem "Hamburger Abendblatt".

Der Intendant des Thalia Theaters, Ulrich Khuon, hatte jede Einmischung abgelehnt. "Während des Probenprozesses können wir das Gespräch und die Auseinandersetzung über Elfriede Jelineks Text oder die Arbeit am Stück nicht öffentlich führen", sagte er. (tso/ddp)

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