Theater : George Tabori ist tot

24.07.2007 13:26 Uhr
George Tabori Foto: Heinrich
Der Theatermacher George Tabori ist im Alter von 93 Jahren in Berlin gestorben. - Foto: Heinrich

Der Theatermacher George Tabori ist am Montagabend im Alter von 93 Jahren in Berlin gestorben. Zentrales Thema seiner Dramen ist die Auseinandersetzung mit dem Faschismus.

BerlinGeorge Tabori, einer der großen Theatermacher der Gegenwart, ist tot. Der Regisseur und Autor starb am Montagabend im Alter von 93 Jahren in Berlin. Das teilte der Intendant des Berliner Ensemble, Claus Peymann, mit. Zentrales Thema von Taboris Dramen, die er meist selbst inszenierte, ist die Auseinandersetzung mit dem Faschismus. Schwarzer Humor und bittere Einsicht kennzeichnen seine Figuren. Für das Berliner Ensemble arbeitete Tabori bis zuletzt immer wieder an neuen Stücken.

Zu Taboris bekanntesten Theaterwerken zählen "Mutters Courage", "Die Kannibalen", "Mein Kampf" und "Die Goldberg-Variationen".

Das auch verfilmte Drama "Mutters Courage" erzählt von Taboris jüdischer Mutter, die in ihrer Heimat Ungarn wie durch ein Wunder den Nazis entkam.

Der 1914 in Budapest geborene Tabori begann seine Karriere als Journalist in den 30er Jahren in Berlin. Als ungarischer Jude flüchtete er 1936 vor den Nationalsozialisten nach London. Bis auf die Mutter wurde seine ganze Familie in Auschwitz ermordet. Während des Krieges war Tabori Korrespondent der BBC in der Türkei und im Nahen Osten. Von 1947 an arbeitete er in Hollywood und New York. In den USA traf er Bertolt Brecht, dessen Schüler er wurde.

"Er war ein weiser und kindlicher Mensch"

Nach Jahren als Theatermacher und Drehbuchautor für Hollywood lebte er von 1971 an wieder in Deutschland, wo er unter anderem in Bremen, München und Bochum wirkte. Als freier Regisseur arbeitete er dann vor allem am Wiener Burgtheater. Ende der 90er Jahre zog Tabori wieder nach Berlin, wo er im Januar 2000 mit dem Stück "Die Brecht-Akte" das Berliner Ensemble unter der neuen Intendanz von Peymann wiedereröffnete.

"Er war ein weiser und kindlicher Mensch, ein wunderbarer Zauberer", sagte Peymann. "Jetzt er hat die Bühne verlassen." Zuletzt hätten sich noch zahlreiche Schauspieler um das Bett des altersschwachen Tabori versammelt. Seine Frau, die Schauspielerin Ursula Höpfner, sei bis zum Ende bei ihm gewesen: "Am Schluss hat er in seinen Träumen inszeniert." (mit dpa)

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