Theater : Geschenkt

Ein hintergründiger Spaß, ein famoses Ensemble – schöne Bescherung: Ayckbourns "Frohe Feste" im Renaissance-Theater.

Patrick Wildermann

Ein Geschenk soll diese Inszenierung sein, vom Theater an seine Zuschauer. Das Bühnenbild ist zu Beginn ganz mit Glitzerpapier verpackt, samt roter Riesenschleife drumherum, und ein zunftgemäß kostümierter Santa Claus enthüllt es im täppischen Tänzchen. Dahinter verbirgt sich Alan Ayckbourns Heilig-Abend Farce „Frohe Feste“, ein Komödien-Klassiker also, mithin das Versprechen auf rasante Dialoge, absurde Verwicklungen, Slapstick. Von alldem gibt’s auch reichlich. Erst am Ende wird offensichtlich, welch teuflischer Geist hinter dem Christbaumkugelglanz lauert. Da blickt man wie nach einem fetten Gänsebratenschmaus auf einen Teller mit abgenagten Knochen.

Regisseur Antoine Uitdehaag, der am Berliner Renaissance-Theater bereits „Rock ’n’ Roll“ von Tom Stoppard inszenierte, macht auch sich selbst ein Geschenk, indem er das Stück in seiner Entstehungszeit belässt, den frühen siebziger Jahren, und sich jegliche heutige Aufhübschung des hausbackenen Geschlechterbildes erspart – die Emanzipation ginge auf Kosten des Witzes.

„Frohe Feste“ erzählt von drei Paaren, die sich in drei aufeinanderfolgenden Jahren zur lauten, unheiligen Nacht begegnen, in der Küche der Gastgeber. David Bennent spielt, mit Al-Pacino-haftem Furor, den Gernegroß Sidney Hopcroft, der sich einflussreiche Leute einlädt und seine putzsüchtige Frau Jane (Anna Böttcher) zwecks Aufrechterhaltung der Frohsinnsfassade im Regen stehen lässt. Ein Machiavellist zwischen Einbauschränken. Doch auch bei dem standesüberlegenen Bankerpaar Marion und Ronald (Katherina Lange, Guntbert Warns), sowie dem Architektenduo Eva und Geoffrey (Julia Stemberger, Thomas Limpinsel) ist es mit der Harmonie nicht weit her: Da lauern Alkoholsucht, Bankrott und Betrug.

Ihren komischen Höhepunkt erreicht die Groteske im zweiten Bild, wenn ständig versehentlich der Selbstmord der depressiven Eva verhindert wird, deren Gäste in blindem Heimwerker-Eifer nichts als Schaden anrichten. Umso kälter erwischt einen der letzte Akt, in dem Ayckbourn seinen Sarkasmus offenlegt und Bennent als großer Weihnachtsdiktator die Puppen tanzen lässt. Ein hintergründiger Spaß, ein famoses Ensemble – schöne Bescherung!

Wieder am 16.–22., 25.–31. Dezember.

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