Theater : Hippies in Riga

Das Festival Spielzeit Europa zeigt „The Sound of Silence“.

Sandra Luzina

Berlin Mit seiner Inszenierung „Long Life“, die das Leben einer Alten- WG im postkommunistischen Riga mit wundersamen Witz schildert, wurde Alvis Hermanis weltweit gefeiert. Nun dreht der lettische Regisseur die Zeit um 40 Jahre zurück – und beamt die fidelen Alten aus „Long Life“ ins legendäre Jahr 1968. „The Sound of Silence“, ein Stück ganz ohne Worte, dafür mit viel Musik, gelangt in Berlin bei der Spielzeit Europa zur Uraufführung.

Nun ist Riga gewiss kein Ort der 68er-Revolte, Lettland war ja seit dem zweiten Weltkrieg gefangen im Sowjetreich. Hermanis stellt sich vor: Was hätte es bedeutet, wenn Simon & Garfunkel 1968 ein Konzert in Riga gegeben hätten? Woodstock, Summer of Love, Träume von Frieden, Liebe und einer besseren Welt … Die Utopien der 68er werden in „The Sound of Silence“ neu besichtigt. Der Dreh dabei: Die aufbegehrenden Jungen leben im Lettland der Sowjetära – die Ost-Kommune haust in einer tristen Kommunalwohnung, protestiert wird hier gegen das ideologische Diktat und die Miefigkeit des real existierenden Sozialismus.

Die Künstlerin Monika Pormale, die schon „Long Life“ ausgestattet hat, hat die wunderlich zugemüllten Bühnenräume geschaffen. Die 14 außergewöhnlichen Schauspieler des Neuen Rigaer Theaters erschaffen das Porträt einer Gegenkultur, die es so zwar niemals gab – dafür ist sie aber gut erfunden. Das lustige Kommunenleben wird untermalt von den sanften Folk-Songs von Simon & Garfunkel. Und ganz sicherlich beherzigt Alvis Hermanis die Losung: die Fantasie an die Macht!

Haus der Berliner Festspiele, Fr 9.11., 20 Uhr (Premiere), Sa 10., Mo/Di 12./13.11., 20 Uhr, So 11.11., 19 Uhr, 25 €, erm. 15 €

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