Kultur : THEATER I

SUSANNA NIEDER

Wie souverän Akteure auf der Bühne sind, sieht man am besten dann, wenn sie aus der Rolle fallen und improvisieren müssen."Living Like Victor" ist ein Stück, das fast unvermeidlich auf diesen Punkt zusteuert: Das wilde Gemenge von Figuren, Handlungssträngen und fiktionalen Ebenen steigert sich zu einem Tempo, in dem nichts mehr vorhersehbar scheint.Ausgerechnet bei der Auflösung der ungeheuer verwickelten Revolverstory entgleisten Shôn Dale-Jones, Autor, Co-Regisseur, Darsteller und Co-Direktor der englischen Theatertruppe Hoipolloi Productions, immer wieder aufs Heftigste die Gesichtszüge.Gelegentliche Längen in der ersten Hälfte waren zu diesem Zeitpunkt längst vergessen, die Reihenfolge der Abläufe war neben der irrsinnigen Eigendynamik des Geschehens zur Nebensache verblaßt.Die Szene wurde der absolute Höhepunkt während eines zum Schreien komischen Abends."Living Like Victor" ist eine Mischung aus Krimi, Comedy, Clownerie und Groteske.Drei Figuren, unverkennbar Detektive, begeben sich auf der Spur eines ungeklärten Mordfalles zurück in ein Stück, das sie einmal gespielt haben, und verheddern sich unaufhaltsam in ihrer eigenen Theaterillusion.Dale-Jones, Co-Direktorin und -Regisseurin Stefanie Müller, Andrew Pembrooke und Gracia del Ruste verkörpern mit außerordentlichem parodistischem Talent gut ein Dutzend Figuren, bauen mit wenigen ausgeklügelten Handgriffen immer wieder selbst die Bühne um und haben sichtlich genauso viel Spaß wie ihr Publikum an dem Tumult, den sie veranstalten (heute und 12.bis 16.Mai bei Friends Of Italian Opera, Reservierungen unter Telefon 691 12 11.).

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