Kultur : Theater im Palais: Fischer an der Furt

Christoph Funke

Berliner Geschichte, und ein paar Jahrhunderte währt sie ja nun doch, erledigt das Theater im Palais ohne gelehrte Anstrengung in knapp zwei Stunden. Bevor es "Mit der Hand übern Alexanderplatz" (nach dem Lied von Franz Mehring und Friedrich Hollaender) geht, wird dem geneigten Publikum für den "Spaziergang" durch die Zeiten eine wohlabgewogene Portion Bildung verabreicht. Damit fortan jeder weiß, dass aller Berliner Wahn und Größenwahn mit den Fischern begann, die an einer bequemen Furt der Spree saßen. Dort fiel ihnen, lang ist es her, etwas auf und ein. Ließe sich aus der von Kaufleuten genutzten Furt nicht eine städtische Unternehmung machen? Diese Idee, wir wissen es, hatte schwerwiegende Folgen. Davon wird nach einem Buch und in der Regie von Barbara Abend geredet und gesungen, mit Witz und Frechheit, sinnlich und derb, verträumt und zärtlich. Es sind die Zwischentöne, die kaum versteckten, gleichsam vor aller Augen und Ohren eingeschmuggelten Frechheiten, die den historischen Exkurs lebendig und die bekannten Lieder wie neu klingen lassen.

Das geht Schlag auf Schlag. Und wenn die Lieder von den singenden Darstellern Maria Mallé, Gabriele Streichhahn und Carl Martin Spengler, begleitet von Ute Falkenau am Klavier, auf eine Perlenschnur gereiht werden, ist die komplizierte Geschichte Berlins fürwahr von allem Wissensqualm entladen. Die Zuschauer sitzen auf einem alten Straßenplan der ehrwürdigen Hauptstadt (Bühnenbild Christine Perthen und André Pressl) und erfahren: Nichts ist da geblieben, wo es einmal war, kaum etwas befindet sich dort, wo es hingehört. Mit Ausnahme dieses spitzbübisch gescheiten Theaterabends.

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