Theater : Komödie und Theater am Ku'damm droht Schließung

Den beiden bekanntesten Boulevardbühnen Berlins ist der Mietvertrag zum Jahresende 2006 gekündigt worden.

Berlin - Die Komödie und das Theater am Kurfürstendamm stehen vor dem Aus, teilte Theaterdirektor Martin Woelffer am Freitag mit. Die schlimmsten Befürchtungen seien wahr geworden. Die 80 Mitarbeiter würden unterrichtet, dass die Existenz der Bühne und damit die Arbeitsplätze «akut gefährdet» seien. Die einst von von Max Reinhardt geleiteten Traditionsbühnen, zu deren Stars auch Harald Juhnke gehörte, liegen im Kudamm-Karree, das umgebaut werden soll.

Der offene Immobilienfonds DB Real Estate (Frankfurt/Main) will mit dem Umbau den Komplex am Kurfürstendamm attraktiver machen und verteidigte den Schritt. «Wir haben einen Zeitpunkt erreicht, an dem wir formal kündigen mussten», sagte Sprecher Tim Ambrosius. Es habe Gespräche mit den Theatern gegeben, betonte er. Das neue Konzept für das Karree sehe eine Bühne im zweiten Obergeschoss vor. Ob und in welcher Form die Traditionshäuser weitergeführt werden können, sei offen.

Selbst ein Neubau eines Theaters würde den Verlust der Kudamm-Bühnen nicht aufwiegen, die Bedingungen einer solchen Bühne seien vollkommen unklar, kritisierte Theaterdirektor Woelffer. «Unabhängig davon fragen wir uns natürlich, ob man von Seiten des Eigentümers so mit einem Mieter umgeht, mit dem man angeblich noch viele Jahre zusammenarbeiten will.» Dabei die eigene Machtlosigkeit zu spüren, sei sehr schmerzhaft. Im Jahr 2005 seien die Spielstätten mit 240 000 Zuschauern die erfolgreichsten Sprechbühnen Berlins gewesen. Derzeit läuft dort unter anderem das viel gelobte Stück «Männerhort» mit Bastian Pastewka und Christoph Maria Herbst. Woelffer hofft nun auf die Unterstützung der Politik und der Öffentlichkeit.

Um die Berliner Theaterlandschaft hatte es in den vergangenen Monaten einige negative Schlagzeilen gegeben, so mit der Schließung des Hansa-Theaters im Dezember. Der Kudamm hat seit der Wiedervereinigung 1990 mit der Konkurrenz rund um die Friedrichstraße im Osten Berlins zu kämpfen. Dort sind Edelrestaurants und Einkaufsadressen ebenso konzentriert wie das alte Berliner Theater- und Vergnügungszentrum mit Berliner Ensemble, Deutsches Theater, Friedrichstadtpalast, «Distel»-Kabarett und dem Konzerthaus am Gendarmenmarkt. (tso/dpa)

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