Theater-Regisseur : Benno Besson gestorben

Der Schweizer Theaterregisseur Benno Besson, der vor allem wegen seiner stilisierten Brecht- und Shakespeare- Inszenierungen bekannt war, ist am Donnerstag im Alter von 83 Jahren in einem Berliner Krankenhaus gestorben.

Paris/Berlin - Das wurde in Paris aus seinem Bekanntenkreis bekannt. Bertolt Brecht holte Besson 1949 an sein Berliner Ensemble. Als Schüler Brechts verstand er sich jedoch nie, dazu war er zu eigenständig. Für einen Brecht-Schüler sei er nicht intellektuell genug, bemerkte er einst.

Benno Bessons Theater beruhte auf Tradition, war gleichzeitig ungewöhnlich offen, spielte mit allen möglichen Formen der Kunst und erinnert unweigerlich an das Theater Brechts - auch wenn der Schweizer Theaterregisseur sich nicht als Schüler Bertolt Brechts verstand. Die gemeinsamen Initialen verhalfen ihm dennoch zu seinem Spitznamen «der kleine B.B.». Am Donnerstag ist der Regisseur 83-jährig in Berlin gestorben.

Besson, der 1922 in der französischen Schweiz geboren wurde, mochte sich auch im hohen Alter nicht von der Bühne verabschieden. So erntete er für seine erst vor knapp drei Jahren aufgeführte Inszenierung der Oper «Die Liebe zu den drei Orangen» von Sergej Prokofjew in Düsseldorf viel Beifall. Er galt als «Europäer» unter den international arbeitenden Regisseure, lagen doch seine hauptsächlichen Wirkungsstätten in Paris, in Berlin, dem südfranzösischen Festspielort Avignon und in westdeutschen und Schweizer Städten.

Schon während seiner Schulzeit inszenierte er Laienaufführungen. Später gründete er ein kleines Wandertheater, durch das er Kontakte zu im politischen Untergrund tätigen französischen Theaterleuten bekam. In der Schweiz studierte er Romanistik und Anglistik. In Zürich sah er seine ersten Brecht-Stücke, die sein Interesse für den Marxismus weckten. 1947 arbeitete er in Paris und reiste dann mit Brechts «Die Ausnahme und die Regel» in Deutschland durch die französische Besatzungszone. Brecht holte ihn 1949 nach Ost-Berlin zum Berliner Ensemble. Von dort aus versuchte Besson, Brecht in Frankreich bekannt zu machen.

Aus seinem sozialistischen Engagement hat der Theatermann nie ein Hehl gemacht, auch wenn er kein Polit-Theater inszenierte. Bei allen Theorien vergaß er nie das Publikum, dem er nach seinem berühmten Ausspruch «Vergnügen verschaffen will, das Geist und Körper miteinbezieht». Molière und Brecht zählten zu Fixpunkten des gebürtigen Schweizers. Seine Begegnung mit Brecht 1947 in Zürich war prägend für seine ganze Karriere.

Mit seiner legendären Inszenierung «Der Drache» von Jewgeni Schwarz schrieb Besson 1965 am Deutschen Theater in Ost-Berlin Theatergeschichte. Von 1969 an arbeitete Besson als künstlerischer Leiter der Ostberliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, von 1974 bis 1978 leitete er die Bühne als Intendant. In den 80er Jahren - 1982 bis 1989 - war Besson Direktor am Genfer Theater «La Comedie». In seine Genfer Zeit fiel 1987 auch seine erste Arbeit für die Oper, eine Inszenierung von Mozarts «Zauberflöte».

Die Inszenierung der Anarcho-Komödie «Hase Hase» seiner Lebensgefährtin Coline Serreau am Schiller-Theater führte ihn 1992 erstmals wieder nach Berlin zurück. Mit «Quisaitout et Grobeta» von Serreau triumphierte das Paar 1994 bei der Vergabe der französischen «Molière»-Theaterpreise. Das poetische Stück, das einen Clown und einen dummen August auf die Bühne bringt, wurde zum besten komischen Spektakel gewählt, Besson erhielt den Preis für die beste Regie.

In dem vor mehr als zehn Jahren entstandenen Filmporträt «Benno Besson - Der fremde Freund» wird er als sympathischer Optimist und Idealist gezeigt. «Ich will nicht, dass die Leute aus dem Theater gehen und sich sagen: Selbstmord ist das Beste», sagte er einmal. (Von Sabine Glaubitz, dpa)

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