Kultur : Theater: Rückblick: Allein zu Haus

Anna Geppert

Schuldscheine können einem das Leben zur Qual machen. Ibsens "Nora" hat einen solchen unterschrieben. Und Pamela Knaack (Regie und Spiel) auch. Ursprünglich als Vorsprechrolle einstudiert, ist ihre "Nora" nun ein Soloabend auf der Probebühne Cuvrystraße. Die anderen Figuren aus Ibsens psychologischem Kammerspiel: kühn gestrichen. Der Inhalt des Stückes erschließt sich über Noras Passagen problemlos, doch über ihr inneres Drama erfahren wir weniger, als wenn auch ihre Gegen- und Mitspieler zu Wort kämen. Knaack gelingt es zwar, die Facetten der Nora zu zeigen: das Püppchen, die Naive, die auf Erlösung Hoffende. Doch wirklich plastisch wird diese Dame nicht, sie hat den dramaturgischen Boden unter ihren Füßen verloren und zappelt im luftleeren Raum. Als Torvald - ihr Mann, für den sie den Schuldschein fälschte - sich im entscheidenden Moment nicht schützend vor sie stellt, zuckt sie unter seinen nicht gesprochenen Worten zusammen. Der Zusammenbruch ist total. Nora weiß, dass sie vergeblich auf das "Wunderbare" gewartet hat. Dem Zuschauer geht es ähnlich: Das Wunderbare dieser Inszenierung tritt nicht ein.

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