Kultur : Theater unter einem großem Hut

Bernd Wilms zum 65. Geburtstag

Rüdiger Schaper

Es gibt keine Zufälle im Leben, schon gar nicht im Theater. Als vor einem Jahr Michael Thalheimers „Faust 1“ am Deutschen Theater Premiere hatte, stand plötzlich ein Denkmal auf dem Vorplatz. Große Leuchtbuchstaben. „Verweile doch!“ Bernd Wilms, der Intendant, war eigentlich nicht gemeint. Aber dann blieb er doch. Wird Berlin und dem DT erhalten bleiben bis 2008, in einem neuen Direktorium. Er hat Thalheimer und andere, die jünger sind als er, in die Verantwortung genommen.

Mag sein, dass Bernd Wilms an seinem heutigen 65. Geburtstag nicht an den Sommer und den Herbst 2004 erinnert werden möchte. Berlins Kultursenator Flierl wollte damals den DT-Chef nach Hause schicken. Wilms, von einer Woge der Sympathie und Solidarität getragen, setzte sich durch. Mit Ruhe, Beharrlichkeit – und mit seiner jahrzehntelangen Theatererfahrung. Am Ende der turbulenten Spielzeit 2004/05 war sein Haus laut „Theater-heute“-Umfrage eines der ersten im deutschsprachigen Raum.

Intendanten sind gesucht, eine rare Spezies. Auch das spricht für die Kontinuität, die ein Bernd Wilms garantiert. Anders als sein Vorgänger Thomas Langhoff hält Wilms das Haus offen: Nicht nur Thalheimer, auch Dimiter Gotscheff, Nicolas Stemann, Barbara Frey und der Heimkehrer Jürgen Gosch inszenieren hier. Ulrich Matthes, Corinna Harfouch, Nina Hoss, Ingo Hülsmann, Sven Lehmann, Katharina Schmalenberg und Regine Zimmermann, die Wilms am Maxim Gorki-Theater entdeckte, gehören zu einem Ensemble, das sich in der vergangenen Spielzeit endlich gefunden hat. Dagmar Manzel und Horst Lebinsky fanden den Weg zurück auf die Bühne, die Max Reinhardt vor 100 Jahren begründet hat.

Wilms, gebürtiger Solinger, studierte an der FU in Berlin. Seine ersten Engagements hatte er in Wuppertal und in Hamburg, am Deutschen Schauspielhaus, das Ivan Nagel damals leitete. Nach einigen Jahren an den Münchner Kammerspielen wurde Wilms 1986 Direktor der Otto-Falckenberg-Schule. Ulm war seine erste Intendanz, 1994 kam er nach Berlin, ans Gorki-Theater: der erste Theaterchef aus dem Westen an einem Ostberliner Haus. Seine Erfolge mit Harald Juhnke, dem er endlich große Charakterrollen verschaffte, fanden nicht nur Wohlgefallen. Von dort ging es – überraschend – ans DT.

Aber Wilms, der leidenschaftliche JazzFan, ist einer, der integrieren und zusammenführen kann: die so genannte Klassik mit dem so genannten Boulevard, den Westen mit dem Osten. Bernd Wilms trägt gern einen großen Schlapphut, darunter kann man eine Menge bringen. Wer immer unterschätzt wird, bleibt am Ende Sieger.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben