Theater : Zadeks Preis ist weg

Dem deutschen Regisseur Peter Zadek ist der Europäische Theaterpreis aberkannt worden. Grund ist sein Nichterscheinen bei der Verleihung der Auszeichnung am Donnerstag im griechischen Thessaloniki.

Wien/Berlin - Zadek sei der mit 60.000 Euro dotierte Preis von der Jury aberkannt worden, berichtete die österreichische "Kleine Zeitung" in ihrer Online-Ausgabe. Der Regisseur habe in letzter Minute mitteilen lassen, dass ihn die Proben zu der für den 17. Juni geplanten Festwochen-Premiere von "Was ihr wollt" zu sehr in Anspruch nehme und er kränklich sei. Konsequenz: Da die Statuten regeln, dass der Preis "persönlich in Empfang" zu nehmen sei, erkannte die Jury Zadek die Auszeichnung wieder ab. Das Preisgeld erhält nun der kanadische Regisseur Robert Lepage.

Die Aberkennung des Preises stieß auf einhelligen Protest des Zadek-Ensembles. "Hat man je davon gehört, dass jemand wegen Abwesenheit seinen "Oscar" nicht bekam?" fragten die Schauspieler, darunter Eva Mattes, Susanne Lothar und Michael Rehberg, jetzt die Jury. "Wir gehen davon aus, der Europäische Theaterpreis wird Peter Zadek für ein Regiewerk verliehen, und wir sind glücklich, dass er jetzt eine neue Produktion mit uns erarbeitet", heißt es in der am Samstag in Berlin veröffentlichten Erklärung der Schauspieler. "Die Premiere von "Was ihr wollt" in Wien wäre eine gute Gelegenheit, ihm dort den Preis zu überreichen." Zu den Unterzeichnern der Erklärung gehören unter anderem auch Fritz Praetorius, Angela Winkler, Robert Hunger-Bühler, Daniel Wagner und Oliver Urbanski.

Premiere bei den Wiener Festwochen

"Was ihr wollt" in einer neuen Übersetzung von Elisabeth Plessen ist eine Produktion der von Zadek und Tom Stromberg in Streckenthin/Pritzwalk in Brandenburg zunächst unter dem Namen "my way production gmbh" neu gegründeten Theater-Produktionsgesellschaft "wasihrwollt productions". Die Inszenierung sollte ursprünglich bereits 2006 herauskommen, wurde aber wegen einer Erkrankung des 80-jährigen Regisseurs auf 2007 verschoben. Nach der Premiere bei den Wiener Festwochen wird die Inszenierung auch bei den anderen Koproduzenten, der RuhrTriennale und den Berliner Festspielen gezeigt. Weitere Gastspiele sind im In- und Ausland geplant.

Zadek gilt als einer der bedeutendsten Shakespeare-Regisseure der Gegenwart und plant mit seiner neuen Produktionsgesellschaft in den nächsten Jahren weitere Inszenierungen der Werke des britischen Dramatikers. Dabei will Zadek mit den Schauspielerinnen und Schauspielern zusammenarbeiten, die sein Schaffen seit vielen Jahren begleiten. Die drei Zadek-Schauspielerinnen Eva Mattes, Susanne Lothar und Angela Winkler werden dabei zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne stehen.

Zadek mehrfach "Regisseur des Jahres"

Zu Zadeks berühmtesten Inszenierungen zählen "Maß für Maß" 1967 in Bremen mit Bruno Ganz, Jutta Lampe und Edith Clever, "Der Kaufmann von Venedig" 1972 in Bochum mit Ulrich Wildgruber und Hans Mahnke, "Othello" 1976 mit Mattes und Wildgruber am Deutschen Schauspielhaus Hamburg und "Der Kaufmann von Venedig" 1988 am Wiener Burgtheater mit Gert Voss. Zadeks Inszenierungen wurden regelmäßig zu den Wiener Festwochen, zum Theatertreffen in Berlin sowie nach Paris und Edinburgh eingeladen. Von den Kritikern der Zeitschrift "Theater heute" wurde Zadek mehrfach zum "Regisseur des Jahres" gekürt, darunter 1999 für den "Hamlet" mit Angela Winkler in der Titelrolle, seine 20. Shakespeare-Inszenierung. (tso/dpa)

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