Kultur : THEATER

SANDRA LUZINA

Wer was mit wem hat, hatte, oder liebend gerne haben möchte - das taugt als Thema endloser Gespräche.Regisseur Dirk Cieslak und die Off-Truppe "Lubricat" nehmen in dem Stück "Aber wirklich" eine Form des "Modern talking" ins Visier: die Beziehungssprache meint nicht nur ein Sprechen über Beziehungen, hier werden selbst Bündnisse geknüpft, Gemeinsamkeit hergestellt.Vier nicht mehr ganz junge Stadtneurotiker nehmen auf Hockern platz und setzen an zu fast 60minütigen Dauergequassel.Armin, Judica, Ingrid und Miriam sind nicht gerade erotische Freibeuter, aber man lebt ja in einer Multi-Options-Gesellschaft, so sind die Beziehungen entweder kurzlebig , kompliziert oder beides.Dem Zuschauer in den Sophiensälen wird zur Orientierung dankenswerterweise eine Beziehungs-Skizze an die Hand gegeben, die an die Genealogien dickleibiger Familienromane erinnert.Zwischendurch stimmen die vier Freunde den Song "We are family" an, sie demonstrieren Übereinstimmung: alle sind sich zum Beispiel darin einig, daß sie Rainer Grün nicht leiden können und so etwas verbindet.Das Stück basiert auf Gesprächsprotokollen, bei mancher Zeitgeist-Phrase fühlt man sich ertappt.Immer stärker wippen und kippeln die Schwadroneure auf ihren Hockern, immer mehr verliert das Geplauder an Bodenhaftung.Werden Themen wie Wahrheit und Lüge, Krankheit und Tod gestreift, dann sprengt dies den Rahmen.Die scheinbar so aufgeklärte Rede kennt neue Tabus.Bewußt hält er das Sprechen an der Oberfläche, zugleich will er den Blick auf Auslassungen, Vermeidungen, auf das Nicht-Gesagte lenken.Wie sich die wortreiche Demonstration von Verbundenheit ins Unverbindliche verflüchtigt - da fehlt es freilich an zuspitzender Darstellung.Und so tritt bald der real-life-Effekt ein: Das Wer-mit-Wem-Dauergerede ermüdet.

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